Samstag, 30. Dezember 2006Schluss und aus
Das Sprechtakel ist zu Ende. Vor einem Jahr definierten wir Sprechtakel:
Reden wir darüber, was wir wie sagen, wird das Gerede zum Sprechtakel.Und in 74 Artikeln gingen wir diesen Sprechtakeln im 2006 auf den Grund. Doch mit dem heutigen Eintrag ist damit Schluss: Das Experiment, Linguistik anwendungsbezogen und öffentlich zu betreiben, war teilweise erfolgreich, wie z.B. diese supernetten Kommentare immer wieder beweisen (komischerweise auf Englisch...): "Excellent website!" fand "Zyloprim", "Hi! Lovely blog you have here!" meinte "Allegra D", oder auch mal kritisch: "Oh, really? Are you Sure?" hakte "Zyrtec" nach und "Excellent idea. I will try it." bekundete "Viagra"! So sehr ich diese liebenswerten Spamkommentare schätze, über die anregenden Anmerkungen von euch Leserinnen und Lesern, die hie und da gemacht wurden, freute ich mich dann doch mehr. Das mit der breiten Öffentlichkeit war jedoch nur punktuell erfolgreich. Am meisten Hits erlangte die Behauptung, die Schweizer hätten 1:0 gesiegt, die Entdeckung von Schweizer Euro-Münzen oder natürlich das sexy Wetter, wie alles, was die phatische Funktion von Sexy-Titeln auskostete: Der alte Knacker und die junge Tussi oder Wenn die Bäckersfrau in Rätseln spricht. Oder: Der Wert nackter Wörter. Doch grosso modo waren die Leserinnen und Leser genau das: Leserinnen und Leser. Die Kommentarfreudigkeit hielt sich in Grenzen. Doch immerhin taten sie das einigermassen fleissig: monatlich zwischen 5000 und 10'000 Besuche verzeichnete der Server, wobei der "GoogleBot" einer der fleissigsten Gäste war... Inspirierend waren immer wieder bloggende KollegInnen, die ich auch gleich als Sprechtakel-Ersatz weiterempfehlen kann: Wortreich, der linguistische Monarch (wobei ich zugeben muss, dass ich in seinem Reich nicht selten revoltieren wollte), das GoetheBlog, KHO aus hamburgischen Sentimentalitäten, der Wortistiker, der/die Blogwiese, der enzyglobe, die Technologie du Langage... Es hat Spass gemacht! Die Welt linguistisch kommentieren könnte man auch im 2007, doch jetzt verlässt der Herr Sprechtakel erst mal die Bühne. Es bleibt das Archiv! Freitag, 29. Dezember 2006Einkaufen mit Anna und Betty
Das hier wird der zweitletzte Sprechtakel-Eintrag sein. Doch dazu noch in diesem Jahr mehr. Denn zum Abschluss muss ich noch zwei Einkaufszettel los werden, die auf meiner Harddisk des Kommentars harren. Wir diskutierten kürzlich bereits die Intimitäten eines gelben Einkaufszettels. Doch was halten Sie davon?
![]() Banane, Eier, Apfel (Äpfel?), Birnen, so fängt das mal unauffällig an. Doch dann die "Zuchini"! Auch Google fragt vorsorglich zurück: "Meinten Sie: zucchini"? Doch auf über 43'000 deutschsprachigen Seiten ist auch von "Zuchini" die Rede. Selbst auf 245 italienischsprachigen Seiten finden sie sich. Mehr Rahm ist mehr als Rahm Doch halten wir uns nicht mit solch orthografischen Feinheiten auf. "Mehr Rahm" entziffere ich! Diese hübsche Quantifzierung lässt sofort die Frage entstehen, ob dieser Einkaufszettel für den Eigengebrauch geschrieben oder aber an jemand anders gerichtet ist. Denn bei "mehr Rahm" wird eigentlich die Grice'sche Maxime der Modalität verletzt: Unnötige Information! "Mehr" hilft nicht viel weiter; wenn Rahm eingekauft werden muss, ist ja egal, ob zuhause noch welcher im Kühlschrank steht. Doch eben: Damit könnte die Information verbunden sein: "Ich weiss, dass wir noch Rahm im Kühlschrank haben! Aber ich plane ein tolles Dessert, deshalb wird der nicht reichen. Also bitte noch mehr Rahm einkaufen!". Die Käse-Spezifizierung "Vollfett" ist in einer Welt der Light-Produkte herzerfrischend sympathisch. Doch vielleicht ist das ja eher als Kommentar eines Dritten im Slang-Jargon gedacht? "Hey, Käse! Cool, das ist ja vollfett!" Alphabetisch geordnete Kassenzettel Die "Bio Butter" lässt uns zweifeln: Was ist denn mit den anderen Produkten? Jeweils auch Bio? Wobei ich an dieser Stelle gerade meinem Ärger Luft machen muss, dass auf den Kassenzetteln bzw. Quittungen nach dem Einkauf in Coop oder Migros definitiv zu viele Produktnamen mit "Bio" beginnen. Das ist jammerschade, da dann das Spiel, die Produkte in alphabetischer Reihenfolge aufs Band zu legen, um einen alphabetisch geordneten Kassenzettel zu erhalten, an Reiz verliert. Zu eintöntig ist das, wenn alles mit "Bio" beginnt... Doch das ist eine andere Geschichte! Nach der ökologisch korrekten Bio-Butter (wir sehen hier: der Duden würde einen Bindestrich verlangen, doch das ist nicht schick: Auf den Kassenzetteln erscheinen solche auch höchst selten!) folgen problematischere Produkte: Avocado und Papay(a). Letztere musste aus ökoschamhaften Gründen das letzte A im Herkunftsland lassen. Dafür ist beim Schreiben von "Melone" eine ebensolche auf den Tisch geflogen, was zu einem hübschen Hüpfer nach dem "e" führte... Mirakulös ist auch der letzte Einkaufszettel: ![]() "Z- + T-Saft"? Wohl Zitrone und Tomate – doch so nah diese beiden Produkte graphematisch sind (und so zu einem Paket abgekürzt werden können), so fern voneinander werden sie im Laden platziert sein! Immerhin sind am Schluss "Shampo" und "Deo" thematisch einigermassen geordnet, was man von allen anderen Produkten nicht behaupten kann! (Über die Schreibweise von "Shampo" schauen wir mal hinweg. Warum nicht: Schampo? Oder ist es etwa die "Stampa"?) Verirrung zwischen den Regalen Aber was um Himmels Willen ist mit "Menu" gemeint? Ach ja: Im Zeitalter von Anna und Betty kann man sogar ganze Menüs einkaufen. Oder handelt es sich dabei bloss um einen Verweis auf einen weiteren Einkaufszettel, der mit "Menu" beschriftet ist und alle Zutaten enthält, die für die Zubereitung ebendieses besorgt werden sollen? Wenn ja, schaudert es mich vor der thematischen Unordnung auf diesem Einkaufszettel und ich bin überzeugt: Vom Zeitpunkt des Eintritts ins Geschäft bis zum Zücken der Cumulus- oder Superkarte dauerte es mindestens drei Stunden... Donnerstag, 21. Dezember 2006Asbest der Liebe Wenn Sie noch verzweifelt ein Geschenk für Weihnachten suchen, habe ich etwas für Sie. Fragen Sie Ihre nette Buchhändlerin nach dem "Enzyklop" (Edition diá Berlin, 2001)! Dieses Wörterbuch enthält das ganze Vokabular, das Sie benötigen, um das Fest der Liebe zu überleben."Weihnachten" werden Sie zwar nicht darin finden. Doch das ist kein Qualitätsmangel, denn stattdessen finden Sie verzeichnet: Weib|leich, weil|geil, wein|sam oder Wen|nich|nur|wüs|te. Und im folgenden Interview mit dem Autor zeigt sich, dass bei ihm auch die Metapher "Fest der Liebe" nicht gilt. Er nennt sie: Asbest der Liebe. Der Känguru von Erfindien: Ideen übeldauern hänger Herr Sprechtakel: Sie sind der Verfasser des Enzyklops, eines Wörterbuchs, wie es im Untertitel heisst. Im Direktvergleich mit dem Duden zeigt sich: Der Enzyklop listet z.B. "Kän|gu|ru, der" auf, der Duden aber "Kän|gu|ru, das". Warum ist Ihre Lösung die richtige? phrasardeur: Flieh mir klein befreundeter Kennguru neuschlich mitgeweilt hat, ist zweides nicht besonders richtig. Das Känguru komme von Australien, der Känguru aber von Erfindien, dem vormalengern Astralien. Flenn ich nun baldso die Herkunft Bettrache und in Bettzeug ziehe, äh, sthet das Marterielle dem Inmaterrealen gehgern rüber. Daseinende ist wertgänglich, Ideen übeldauern hänger. Zu optimistrauisch? Das Gähnguru ist ölig gebeutelt, abgegluzt und die Benutzzung mit Ausdruck zusehend unflationär. Vom Känguru kann das niemind, nobloody, behaupten. Eine und nicht zige Abbildung (x ist hier, verbleiche Anhang). Statt Esstisch besehn, versteht etwas keimnahiges einem eitern fällt von Beleibigkeit fies à vis. Die Angsttrennungen der DudenRedAktion Herr Sprechtakel: Und warum finde ich im Duden keinen Eintrag für "Kuh|da|ver, der: Almähleiche, toteliger Wiederkäuer", bei Ihnen aber schon? phrasardeur: Allen Angsttrennungen der DudenRedAktion zum Rotz: die scheuen einflach nich richtig Ding! Wähn einer wie Sie oder ich über Dewiesen flankiert, miet hoffene Äuglein (Vers: seht Siech!) dann zehln wir doch almmehrlich Viehleichten, will sargen, mausetrottelige Hindividuen, Hang alles Emden und Hecken. Kann Hauch sein, weil Tier nichts mit Phantasie zu Huhn habn wolln? Herr Sprechtakel: Ist ein Wort im Lexikon mächtig, nichtig oder höchstens übernächtigt? phrasardeur: Alles in Allem alles! Kleine Franzwöschische redens artig und zagt: "Nur das Provisorische hält ewig" (übt er setz, die Redkt.) Zoo gesehn hisst "Der Enzyklop" zur Fahne u. flucht: für immer! für immer! (Wimmer) Fleurter sind Gebiss mächtig, manchmal zwarr schnurr mit sch (Ode R.) ohn vorahn. Unterm Stich: (Gegengelage) Wie comment Sie zu Ihr, ähem, schlaff? Mächtig, nichtig oder, im Falle des Fouls, übernächtigt? Wenn die stilen Wörtchen auswillgern Herr Sprechtakel: Was würde passieren, wenn die Wörter im Enzyklop in die freie Wildbahn gerieten? Oder sind sie dort schon? phrasardeur: ... und irr, dass ein als einzellgänglerische Geistesabwesen aufleben würden? Tja. Sie ziehn schon fort, tralalarüber best eht keine... 2 fehln! Ob schön sie naht ührlich nicht als solch Esswahr benommen, wer denn? Die, eben dies, schwört er. Das Auswillgern der lauern, stilen Wörtchen geht nur schwerleicht vortan. Sie bringähn da was zur Rache, so wars; wie den wringenden Prunk. Teerzeitpunkt um fiel leicht diese f rage, bezirzzungsweise Wandfort, an den geneigten Lesers und die Leserhin zum Richten? Herr Sprechtakel: Sind Wörter Schall und Rauch? phrasardeur: Ex hackt. Überschall und Brauch in geflissend Sinnlee. Mal ausgebrochen nehmen sie stieren Lauf, sehnen sich da Ruhm, szenen sich dort rum, lassen sicher gähn, nur um fandkehrum niederzukommen. Sie schmüsen zwissen, Wörter fühlen ein gebmeines Liebstes, eben. Feine Art Karmasutra. Wiesoll man (frauch) taritara plahnen, sich frohstellen, antipathyzipieren was da patzieren wird? Bauch erfahrene Flexperten sehn Ta rot. Kannichihnchen auch glar nicht querdenken, hehrlich! Ober, um kauf Ihr Anliegern zu klonen. Einsing. Und sei es auch nur abstrakt um, ein Ding ist Mär als es ist. Vierklung klennt mans. Hausgebrochen löscht so sein Fort peim Hemdfänger was aus, ein Vermehrwert, Quasyl. Haus räuchern wird Feuer, Haus Freuer schwirrt keim Funke uswh. usb. Schlauen Sie rein und leersen Sie! Herr Sprechtakel: Wird Weihnachten schöner, wenn der Enzyklop unterm Weihnachtsbaum liegt? Wenn ja, warum? phrasardeur: Nee. Solang wie das Teil ungern dem Bäumle liecht, wird Asbest der Liebe nicht schön, Herr! Da muselmannes schohn noch hervorkramen, ausplacken und reinschlauen und leersen, Hund, lachen, Hund, sich fragen (Hund?), kleine Antwort herhalten. Dazu frohnt: Zeilen g lück mit vielen, phielousovielen t eilen, aber pralli. An Irrer Ställe, an leer stehle des konzensummierenden Indiwiedumms, hahalso (hach nee, nun fauch doch, Publikkommbeimpfung) Schlicht Weihnachten wird schöner, nein, Ihre pflanze Lebbe wird zig um hund währt und, ach, zig Jahrmeen verlangern, ja verlangern, und nie! Weh es: Schalmeinen sie Nonn aber nickt der Enzücklob sei handnährend so verlümmelt wie. Dienstag, 19. Dezember 2006Die Schwierigkeiten zweier Liebenden
Die heutige NZZ interviewt den Triester Germanisten Claudio Magris (S. 44). Besonders neckisch an diesem Interview ist folgende Passage:
![]() Haben Sie das kleine, fette "r" entdeckt? Die Schwierigkeit zweier Liebender.Man möchte fast hoffen, dass der Setzer oder die Setzerin (die gibt es natürlich schon lange nicht mehr, doch jetzt glauben wir mal noch dran) absichtlich ins Fach der fetten Typen griff, um zu zeigen – ja was denn? Vielleicht:
Dienstag, 5. Dezember 2006"Kinder zu erziehen" und "Frage zu stellen"
Bereits in Einträgen zwei Einträgen (hier und hier) befasste ich mich mit der Berichterstattung zum "Vergewaltigungsfall in Seebach".
Ein Kommentator der ersten Analyse störte sich anscheinend an der Nennung der SVP im Zusammenhang der Analyse und meint, ich wäre in "das dumme Clichee abrutscht und [hätte] das Unheil der Welt bei der SVP [ge]sucht". Da bin ich nun etwas ratlos, hatte ich ja bloss konstatiert: Und natürlich ist die SVP (Schweizerische Volkspartei) die meistgenannte politische Akteurin. Es folgen SP, CVP und FDP mit je ähnlichen Frequenzen.Dass die SVP offensichtlich meistgenannte Partei ist in diesem Kontext hängt wohl auch mit deren Öffentlichkeitsarbeit zusammen, die die Interessen der Partei immer wieder effizient zu nutzen weiss. Mehr lässt sich aus den Daten nicht lesen. ![]() Doch möchte ich auf obenstehende Grafik aufmerksam machen, die die Berichterstattung des Tages-Anzeigers zum Thema als Basis hat (Klick auf die Grafik zeigt sie vollständig!). Diesmal habe ich sog. Trigramme, das sind 3-Wort-Gruppen, berechnen lassen. Da ich den gestrigen Abend primär technische Probleme bei der Erstellung der Grafik löste, kann ich heute noch keine Analyse bieten. Doch die geneigten Leserinnen und Leser mögen vielleicht ihre Beobachtungen als Kommentar kund tun! Dienstag, 28. November 2006Die Jugend
Im letzten Sprechtakel präsentierte ich erste Ergebnisse meiner korpuslinguistischen Recherche zum Seebacher "Fall", wie er in Tages-Anzeiger und NZZ mehrheitlich bezeichnet wird. Der "Fall": Die mutmassliche Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens.
Die präsentierte Wortwolke der Nomen und Eigennamen, die besonders häufig in NZZ und Tages-Anzeiger in der Berichterstattung dazu erschienen, gibt dem "Fall" das sprachliche Gesicht. Und eine der auffallenden Merkmale dieses Gesichts sind die folgenden Nomen: Jugend (1x)(Liste gibt Detail der Darstellung "Berichterstattung zum Vergewaltigungsfall in Zürich-Seebach im Tages-Anzeiger und in der Neuen Zürcher Zeitung: Nomina und Eigennamen" wieder.) Kriminalität unter Jugendlichen wird in der Medienöffentlichkeit so empört verhandelt, wie sie verbreitet ist (vgl. auch die Kommentare hier und hier auf "medienzirkus"). Dies zeigt eine Studie zu "Erfahrungen mit Gewalt" unter Jugendlichen, über die Manuel Eisner und Denis Ribeaud in der heutigen NZZ berichten ("Tabuisierte sexuelle Gewalt unter Jugendlichen"; NZZ vom 28. November 2006, S. 55). Da die Resultate dieser Studie in teilweise frappantem Kontrast zur medienöffentlichen Meinung steht, zitiere ich hier die wichtigsten Resultate: Im Jahr 1999 wurden über 2600 15-Jährige aus dem Kanton Zürich nach ihren Erfahrungen mit Gewalt befragt. Dabei ging es sowohl um die aktive Ausübung von Gewalt seit dem 13. Lebensjahr als auch um Erlebnisse als Opfer.Folgendes wurde dabei festgestellt: In der Medienberichterstattung zum Fall erhält man rasch den Eindruck, dass die "Jugend" in dieser Kriminalität besonders starke Empörung hervorruft. Eisner und Ribeaud nennen Gründe, weshalb es besonders schwierig ist, Gewalt unter Jugendlichen zu unterbinden: Die Abgrenzung der Jugendlichen von der Erwachsenenwelt, aber auch die Breite des Phänomens. Die Hilflosigkeit der "Gesellschaft" (auch sie wird besonders oft zitiert) zeigt sich in Nomina, wie wir sie gestern schon beschrieben haben. Und in einer breiten Palette an Menschen und Institutionen, die sich um die Jugend kümmert: Von der Jugendforensik bis zum Jugendversteher. Ob die "Jugendlichen" wirklich verstanden werden? Montag, 27. November 2006Zugespitzt: Die Täter, der Fall, das Mädchen und die SVP
Noch letzte Woche beherrschte die Schweizer Medienwelt ein Thema, bei dem auch ich nicht umhin komme, es als schrecklich zu bezeichnen: Die wiederholte Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens durch minderjährige Schüler in Zürich-Seebach.
Ich glaube, bei der ganzen Diskussionen über Jugend, Sexualität, Ausländer und Gesellschaft lohnt ein Blick auf Sprache. Besser: Die Art des Sprechens darüber. Wo Angst, Empörung oder Wut medialisiert werden, sind Floskeln, schräge Vergleiche und Klischees nicht weit. Ihnen kritisch zu begegnen, könnte helfen, nüchterner zu sehen. Gehen wir das Problem linguistisch an: Am einfachsten greifbar sind Zeitungstexte zum Thema. Ich analysierte eine Woche Berichterstattung zum Thema in der Neuen Zürcher Zeitung und im Tages-Anzeiger. Nach und nach werde ich Resultate und Interpretationen dazu hier präsentieren. Die naheliegendste: Welche Nomen erscheinen in der Berichterstattung zum Fall? ![]() (Klick auf's Bild zeigt die ganze Grafik!) In der Grafik ist sichtbar, welche Nomen in beiden Zeitungen (orange), nur in der NZZ (gelb) und nur im Tages-Anzeiger (rot) erscheinen. Orange die verbreitensten Schlagworte, um das Thema zu fassen. Die Beschuldigten: Albaner, Balkan, Ausländer, Burschen. Die Mitschuldigen: Eltern, Erziehung, Familienstruktur (NZZ), Film, Fernsehen (NZZ), Gesellschaft, Gewaltdarstellung, Gruppe und Gruppendynamik, Herkunft, Hintergrund, Identität, Kultur, die Linke und die Netten (sagt die SVP), die Schule, die Sexualisierung (NZZ). Die Experten: Beratungsstelle, Fachleute, Fachmann, Fachstelle, Jugendpsychiaterin (NZZ), Kinderschutzgruppe (Tagi), Schulpsychologischer (Dienst). Die Zeitungen pflegen dabei Eigenheiten: Der Tages-Anzeiger spricht von den Frauen, die als Freiwild angeschaut würden, nennen den Kosovo, das Leid, thematisiert die Schuldzuweisung, berichtet von der Taskforce und auch explizit von einer Täterin. In der NZZ liest man von der Banalisierung, vom Computerspiel, von Heranwachsenden, von Mutprobe und der Pornographie – und, von Tatverdächtigen (auch von Tätern). Und natürlich ist die SVP (Schweizerische Volkspartei) die meistgenannte politische Akteurin. Es folgen SP, CVP und FDP mit je ähnlichen Frequenzen. Die wenigen Wörter fassen doch erstaunlich gut unsere Denkmuster und Argumentationsfiguren zusammen. Wirklich überraschend ist das alles nicht... Und zuletzt: Mehr Augen sehen mehr! Die Analysen und Kommentare meiner Leserinnen und Leser interessieren mich natürlich sehr. Mittwoch, 22. November 2006Intimitäten des Konsums: Wenn die Fertigpizza in die Windeln macht
Sie liegen verlassen, vergessen, vereinsamt und nutzlos im Körbli, Wägeli oder beim Bancomaten. Sie dienten als Gedankenstütze oder mahnten, endlich das Verdrängte zu erledigen. Kommen sie aber in meine Hände, offenbaren sie die intime Welt der Gelüste unserer Mitmenschen. Ich glaube, ich habe ein neues Hobby gefunden: Sammeln von fremden Einkaufszetteln!
Kürzlich erbarmte ich mich diesem hier: ![]() Vielversprechend und rhythmisch-poetisch beginnt er mit "Windel, Erdbeere...", doch wir stocken bereits: "Fertigpizza"! Die wild-romantische Assoziation zu Streifzügen im Beerenwald, die Erinnerung an die Zeit der Jäger und Sammler, wird hart durchbrochen durch die banale Fertigpizza, die jedoch gleichsam leitmotivisch den Fortgang bestimmt: "Milch, Quark..." evoziert zwar als retardierendes Moment nochmals den archaischen Charakter der Grundnahrungsmittel. Das Finale zeigt aber unmissverständlich, wie überholt unsere vergangenen Schwärmereien sind: "Sandwich". Doch ich bin nicht Literaturwissenschaftler, sondern Linguist. Erstaunlich, wie die Verfasserin – ich schliesse aus dem Schriftbild daraus – den Plural ignoriert: EINE Windel, EINE Erdbeere plante sie zu kaufen. Oder erweist sie sich bloss als schreibfaul? Warum schreibt sie "Fertigpizza" und nicht bloss "Pizza"? Es gibt im Supermarkt ja nur fertige Pizze! Ist diese junge (weil: Fertigpizza-Konsumentin) Mutter (weil "Windel" und "Quark"/"Erdbeere" fürs Kindermüsli) so fertig mit ihren Nerven, dass ihr das "Fertig-" als Hoffnung an eine Zeitersparnis am Abend wichtig ist? Doch vielleicht kauft gar nicht sie ein, vielleicht ist der Adressat also ihr FreundPartnerMann? Dann wäre "Fertigpizza" im Singular vielleicht als leise Kritik an seinen Essgewohnheiten zu verstehen: "Ja, kauf' doch deine Scheiss-FERTIG-Pizza, wenn du die Küche schon meidest wie ich den Plural auf dem Einkaufszettel!" Donnerstag, 9. November 2006Sprechtäkeli: Ernster Pflotsch
Bevor wir unsere Blicke obligatorischerweise in die USA richten, denken wir zuerst ganz lokal:
Freitag, 3. November 2006Oh ein O!
Zum Wochenende hin eine Trouvaille aus einem Werbespot von 1981:
![]() Fünfundzwanzig Jahre Werbegeschichte sind eine lange Zeit! Aber diese Tobler-o-rum-Werbung hat heute beinahe Kultcharakter. Die kongeniale Verschmelzung von Körperteilen und Buchstaben, die Ausnutzung der Polysemie von "Oh!" und "o" – und das alles im karrierten Hemd… Die Tobler-o-rum-Schoggi gibt es heute nicht mehr, es gibt aber noch immer Anhänger und Liebhaberinnen dieser 1932 erfundenen Schokolade. Eine Arbeit von Franziska Zürcher ("Von Nimrod über Tobler-o-rum zu Toblerone Pralinés. Ein Einblick in Reichtum und Wandel der Tobler-Schokoladen im Laufe eines Jahrhunderts") hilft vielleicht über den Sehnsuchtsschmerz hinweg! [Nachtrag] Diese Seite verhilft zu noch tieferen nostalgischen Gefühlen und zeigt auch die eine ältere Verpackung der Tobler-O-Rum. Donnerstag, 2. November 2006Sprechtäkeli: Backwaschundbügeltag und ein paar Bonuspunkte
Die letzte Sprechtäkeli-Schau förderte ja sehr explosive linguistische Bomben zutage. Die heutige Rückschau ist friedlicher:
Dienstag, 24. Oktober 2006Anna, Betty und Marcella
Selber zu kochen ist auch im Zeitalter von Anna, die nur das Beste für uns will und Betty, die den Boss in der Küche markiert, schick. Doch wahre Freizeit-Köchinnen und -Köche wissen: Kochen ist mehr als "pimping up your Fertig-pizza" oder das Begiessen der Spaghetti mit Fertig-Bio-Sauce. Und wenn wir bei Pasta und Pizza sind: Nein, das italienische Küchenalphabet geht nicht nur von Pa- nach Pi-!
Vor Pa- und nach Pi- Doch wer es nun wirklich ernst meint mit der italienischen Küche, der kommt um sie nicht herum: Marcella Hazan. In der Wikipedia steht über sie: She is widely considered by chefs and fellow food writers to be one of the foremost authorities on Italian cuisine.Die "authority" können wir ganz wörtlich nehmen: Sie sagt, was geht – und was nicht geht. Ihre Kochbücher, alle zuerst in Amerika erschienen, sind die Bibeln der italienischen Küche. DIE Bibeln. Ich bete der Ausgabe "Die klassische italienische Küche" nach. Und ich möchte der geneigten Leserschaft zeigen, dass Marcella Hazan darin nicht nur kulinarische Massstäbe setzt, sondern auch sprachliche. Flinke, willige Hände Nehmen wir doch so etwas naheliegendes wie Pasta. Es versteht sich von selbst, dass gewisse Pastasorten selber hergestellt werden müssen. Zwar auch in Italien keine Tugend mehr, die in allen Haushalten gelebt wird.Aber auch Ihnen wird es gelingen, eine vorzügliche frische Pasta herzustellen, wenn Sie entweder die Maschinen- oder die Nudelholzmethode anwenden. (132)Schön, wir haben die Wahl – das ist für Marcella Hazan eigentlich untypisch. Doch haben wir die Wahl wirklich? Diese beiden Methoden sind nicht bloß zwei verschiedene Wege, die zu demselben Ziel führen. Mit der Hand ausgerollte frische Pasta ist etwas ganz anderes als mit der Maschine ausgerollte. [...] Doch leider ist das Erlernen der Nudelholzmethode genauso schwer wie das Erlernen eines Handwerks. Mit dem Befolgen von Anweisungen allein ist es nicht getan. Man muss die Handgriffe immer wieder mit großer Geduld und flinken, willigen Händen üben, bis sie automatisch erfolgen und keiner langen Überlegungen mehr bedürfen. (132f.)Wir ahnen es: Die "Nudelholzmethode" gehört den Göttern, nicht den Menschen. Versuchen wir es also mit der Pastamaschine: Es gibt nur eine einzige Art von Pastamaschine, die Sie in Betracht ziehen sollten. Sie hat zum Kneten und Ausrollen des Teigs zwei parallele Walzen, gewöhnlich aus Stahl, und zwei Schneidesätze, einen breiten für Fettuccine und einen sehr schmalen für Tagliolini. […] Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, einen dieser "neumodischen" Apparate zu kaufen, die am einen Ende Eier und Mehl zusammenkneten und am anderen verschiedene Pastaformen herauspressen. Was da herauskommt, ist ein klebriges, nicht akzeptables Produkt; und außerdem ist es eine Plage, die Maschine zu reinigen. (133f.)Gut, immerhin wissen wir, was wir kaufen müssen. Aber ich warne Sie: Die Beschreibungen, die folgen, nehmen über vier Seiten Erklärungen in Anspruch. Und der Abschnitt über das Kneten ist nur ein Teil davon: Schieben Sie die Eier-Mehl-Masse mit dem Handballen von sich weg, und halten Sie die Finger dabei gekrümmt. Schlagen Sie die Masse zur Hälfte übereinander, drehen Sie sie um 90 Grad, pressen Sie sie fest mit dem Handballen wieder nach unten und wiederholen sie den Vorgang. Achten Sie darauf, dass sie die Teigkugel immer in dieselbe Richtung drehen, entweder im Uhrzeigersinn oder dagegen. Wenn Sie den Teig auf diese Weise 8 volle Minuten geknetet haben und er so glatt wie Seide ist, dann ist er bereit für die Maschine. (136)Na? Noch kein Handgelenk gebrochen? Aber wie gesagt, das ist die einfache Methode. Die "Nudelholzmethode" wird dann auf sechseinhalb Seiten erklärt… Die Vermählung Sie werden irgendwie zum Ziel kommen. Aber was ist Pasta ohne Sauce? Auch da hilft Marcella Hazan natürlich weiter. In 55 Rezepten erklärt sie die Möglichkeiten, Pasta "innigst" mit Sauce zu vermählen. Und davon enthalten etwa 15 Rezepte Tomaten. Soviel zur Anna-Betty-Tomatensauce! Doch der Hazan'sche Imperativ zeigt sich an meiner absoluten Lieblingsstelle des ganzen Kochbuchs am schönsten. Sie schildert den Moment, in dem Sie Pasta und Sauce vermählen (es ist auf absolute Gleichzeitigkeit zu achten!) und die darauf folgenden Sekunden: Haben Sie die Pasta in der Sauce gewendet, servieren Sie sie sofort und fordern Sie Familie oder Gäste auf, die Unterhaltung abzubrechen und mit dem Essen anzufangen. (132)Grossartig! Das ist doch die ansprechendere und hoffnungsvollere Variante des Brecht'schen "Erst kommt das Fressen, dann die Moral"! Foto: Die Früchte gemeinsamer Anstrengungen – ohne Maschine!
Samstag, 14. Oktober 2006Sprechtäkeli: Mit Worten die Welt ins Jenseits bomben
Linguistisch ist diese Woche mal wieder die Post abgegangen:
Donnerstag, 12. Oktober 2006Schönwetteralarm: Sich ins Grüne ärgern
Der Zürcher Herbstnebel sorgt wieder dafür, dass ich frühmorgends, ohne Radar ausgerüstet, kaum den Weg ins Büro finde und in der ständigen Angst lebe, in die Sihl, den Stadtgraben oder die Limmat zu fallen. Ich ängstige mich dabei weniger vor dem kühlen Nass, sondern davor, am Ende nicht mal zu wissen, ob ich jetzt in die Sihl, den Stadtgraben oder die Limmat gefallen bin. Es sind alle gleich grau.
Die Bleichen auf dem Lande Das ist also die Zeit, in der das Zürcher Oberland an den Wochenenden jeweils "Schönwetteralarm" (heute in der NZZ) auslöst: Zehntausende bleiche StadtbewohnerInnen haben jeweils das Gefühl, sie müssten alle mit dem Auto in die sonnigen Zürcher "Berge" fahren, so dass die Strassen verstopft, die Bauern wütend und die Wege in die Beizen beschwerlich sind. Keine Frage, man muss etwas tun.So, und jetzt, liebe NichtzürcherInnen: Was vermuten Sie ist das Konzept, das hinter der schönen Bezeichnung "Schönwetteralarm" steckt? Denken wir logisch: Bei einem "Feueralarm" verlässt man das Gebäude, ruft die Feuerwehr und die verhindert ein Ausbreiten der Flammen, löst also das Problem. Bei "Katastrophenalarm", z.B. bei einer drohenden Überschwemmung, kommt der Zivilschutz, baut Dämme mit Sandsäcken auf, bringt die Boote in Position und versucht die Wassermassen abzuwehren. Und bei "Terroralarm" – naja, da macht man eigentlich nichts. Aber das ist ein anderes Problem. Autofahrer abspritzen? Nun aber zum "Schönwetteralarm". Hier wird die Feuerwehr aufgeboten, die aber keine Dämme gegen Autos baut oder die Autofahrer mit Wasser absprizt, nein, die öffnet riesige Spezialparkplätze, regelt den Verkehr so gut, dass man nicht nur mit dem kleinsten Smart, sondern auch mit dem Offroader so bequem und rasch wie möglich an den Fuss des Berges fahren kann. Endlich: Eine noch viel grössere Blechlawine kann ungehindert ins Oberland fahren! Was zum Grundwortschatz gehört Das ist kein "Schönwetteralarm"-Konzept, das ist ein "Schönwetterautofahrenbegünstigungsprogramm", ein frohes Zukucken beim Niederbrennen des Hauses, eine lustige "reisst-die-Dämme-nieder" und "Juhee-die-Überschwemmung-kommt"-Party. Und das im Kanton, in dem die Erfolgsgeschichte des öffentlichen Verkehrs geschrieben wird und die letzten Ecken mit S-Bahn und Bus bequem erreicht werden können. Vielleicht müssen wir an dieser Stelle mal einen heissen Tipp für eine Internetadresse geben: www.sbb.ch. Wenn "S-Bahn" in Ihrem Vokabular nicht vorkommt, ist es Zeit, seine Bedeutung kennen zu lernen. Es gehört zum Grundwortschatz und steht für diese langen, blau-weiss-roten Stahlkasten, die jeweils an Ihnen vorbeiflitzen, wenn Sie im Stau stehen. Wir sind zwar kein Bilderlexikon, aber hier: ![]() Foto Nebelmeer (unterhalb der Scheidegg): Noah Bubenhofer; Foto S-Bahn: © SBB Dienstag, 10. Oktober 2006Die Argumente lottern, nicht die Sprache
Ich hatte bereits darauf hingewiesen: Der Spiegel titelte in seiner 40. Ausgabe "Rettet dem Deutsch" und "Deutsch for sale". Kulturredaktor Mathias Schreiber behauptet, Deutsch verlottere, es werde "so schlampig gesprochen und geschrieben wie wohl nie zuvor" und an allem Schuld sei die "Mode, fast alles angelsächsisch 'aufzupeppen'" (182).
Ich gähne. (Um es mit einem "filmtitelartigen Miniaturhauptsatz" (184) zu sagen, wo wir bei einem Nukleus des Problems der Verlotterung unserer Sprach angelangt wären, da wir nicht mehr fähig seien, so Schreiber, "[l]ange, architektonisch raffiniert gebaute Sätze, wie sie bei Kleist, Thomas Mann, Thomas Bernhard, sogar noch bei dem jungen Daniel Kehlmann zu finden sind" (ebd.), zu produzieren.) Obwohl ich kürzlich noch zu erklären versuchte, warum sich Sprachwissenschaft und Nicht-Sprachwissenschaft in der Einschätzung von Sprachwandel – ähm: Sprachverfall – kaum einig werden können, sage ich zu diesem Artikel: Interessant – aus historischer Sicht. Fachlich und inhaltlich bietet er leider hauptsächlich langweilige Polemik. Das sehen andere ähnlich: Der Monarch bringt es auf den Punkt: Das seitenlange Wettern gegen Anglizismen fände er nicht so schlimm, wenn sich der Autor nicht als Anhänger adjektivbestückter Nominalkomposita und längst verblasster Sprachbilder profilieren müsste. Wenn er also nicht so schlecht schreiben würde.("Ja eben!", würde Mathias Schreiber wohl schreien, "die Jungen von heute sind sprachlich so degeneriert, dass sie diesen Ausdruck komplexer Gedankengänge schlicht nicht mehr verstehen!" Doch keine Angst. Wir gewieften – oh sorry: smarten, aber leider infantilisierten Sprecher (183) dieser Lottersprache striken back: Könnten die Unterschiede der Satzlängen bei Mann im Vergleich zu heutigen Zeitungstexten mit der Textsorte zusammenhängen? Herr Schreiber, lesen Sie bei surfguard weiter.) Ich möchte an dieser Stelle die bereits abgehandelten Schwachstellen des Textes nicht noch blosser legen (um einen eigentlich verbotenen Komparativ zu verwenden, erst noch orthographisch schweizerisch-degenerativ ohne ß!), sondern auf die Kollegen verweisen: Scot W. Stevenson relativiert die krude Vorstellung, Komplexitätssteigerung gehe mit Qualitätssteigerung einher, Trithemius erteilt dem Spiegel pädagogische Ratschläge, nils über fehlende Ausgewogenheit, Detlef Gürtler über Schlumperei und Statistik. Aber etwas will mir nicht in den Kopf: Schon fast im Finale des Artikels lobt Mathias Schreiber die Herbert-Hoover-Schule, "einer Realschule mit über 90 Prozent Migrantenanteil", die den Nationalpreis 2006 erhalten hat. "Eltern, Schüler und Lehrer hatten in der Schulkonferenz einstimmig beschlossen, für 370 Schüler aus 15 Nationen Deutsch als verbindliche Sprache des Hauses, auch auf dem Pausenhof, festzusetzen." (198) Das diene der Agressionsminderung und sei erfolgreiche Integrationspolitik. Wunderbar, durchaus eine interessante Idee. Nur: Was hat das mit einer "Bewegung gegen die Verlotterung des Deutschen" zu tun? Die Massnahme wirkt, weil alle die selbe Landessprache sprechen. In welchem "Zustand" diese ist, wie gross der Anglizismenanteil, wie komplex die Syntax ist, spielt überhaupt keine Rolle. Es funktioniert selbst in konkret krass mit Ami-Wörtern durchsetztem Balkandeutsch. Der Artikel vermischt in populistischer Manier die beliebtesten Motive aktuellen Krisengeplappers: Ausländer, Amerikaner, EU-Müdigkeit, Spassgesellschaft. Und früher war alles besser. Das war schon immer so. (Welche Rolle spielen eigentlich die Terroristen?)
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Samstag, 30. Dezember 2006 Einkaufen mit Anna und Betty Freitag, 29. Dezember 2006 Asbest der Liebe Donnerstag, 21. Dezember 2006 Die Schwierigkeiten zweier Liebenden Dienstag, 19. Dezember 2006 "Kinder zu erziehen" und "Frage zu stellen" Dienstag, 5. Dezember 2006 Die Jugend Dienstag, 28. November 2006 Zugespitzt: Die Täter, der Fall, das Mädchen und die SVP Montag, 27. November 2006 Intimitäten des Konsums: Wenn die Fertigpizza in die Windeln macht Mittwoch, 22. November 2006 Sprechtäkeli: Ernster Pflotsch Donnerstag, 9. November 2006 Oh ein O! Freitag, 3. November 2006 Sprechtäkeli: Backwaschundbügeltag und ein paar Bonuspunkte Donnerstag, 2. November 2006 Korpora und Wirklichkeit Mittwoch, 25. Oktober 2006 Anna, Betty und Marcella Dienstag, 24. Oktober 2006 Sprechtäkeli: Mit Worten die Welt ins Jenseits bomben Samstag, 14. Oktober 2006 Schönwetteralarm: Sich ins Grüne ärgern Donnerstag, 12. Oktober 2006 Die Argumente lottern, nicht die Sprache Dienstag, 10. Oktober 2006 Sprechtäkeli: Schlussendlich führte ich mit dem Terroristen eine Diskussion zu Duden vs. Wahrig Donnerstag, 5. Oktober 2006 Sprachzerfall oder lebendige Sprache? Oder: Warum wir aneinander vorbei reden Dienstag, 3. Oktober 2006 Intelligenz von gestern: Auch digital Freitag, 29. September 2006 Es bitzeli-Grounding Donnerstag, 28. September 2006 LesestoffDanach wurde hier gesucht: |

