{"id":356,"date":"2013-05-09T22:54:41","date_gmt":"2013-05-09T22:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/?p=356"},"modified":"2013-08-06T20:02:39","modified_gmt":"2013-08-06T20:02:39","slug":"das-weltbild-des-wissenschaftsjournalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/2013\/05\/09\/das-weltbild-des-wissenschaftsjournalismus\/","title":{"rendered":"Das Weltbild des Wissenschaftsjournalismus"},"content":{"rendered":"<p>Der Wissenschaftsjournalismus hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. W\u00e4hrend fr\u00fcher Zeitungen berichteten, dass &#8222;Forscher in den USA gezeigt haben, dass&#8230;&#8220;, wird heute ein differenzierteres Bild der Wissenschaft gezeichnet: In der Wissenschaft gibt es keine einheitliche Meinung zu einem Problem, da unterschiedliche Theorien und Modelle in Konkurrenz zueinander stehen (Konfliktualit\u00e4t) und wissenschaftliche Erkenntnis immer nur vorl\u00e4ufig ist (Fragilit\u00e4t). Siehe dazu auch den <a href=\"http:\/\/www.security-informatics.de\/blog\/?p=1273\">Beitrag meines Kollegen Scharloth<\/a>.<\/p>\n<div id=\"attachment_359\" style=\"width: 1016px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1947-1960.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-359\" class=\"size-full wp-image-359\" alt=\"In Spiegel-Artikeln zu wissenschaftlichen Themen genannte Orte und Regionen: 1947-1960.\" src=\"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1947-1960.png\" width=\"1006\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1947-1960.png 1006w, https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1947-1960-300x143.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1006px) 100vw, 1006px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-359\" class=\"wp-caption-text\">In Spiegel-Artikeln zu wissenschaftlichen Themen genannte Orte und Regionen: 1947-1960.<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser Hypothese wollte ich untersuchen, welche Orte in Wissenschaftsartikeln genannt werden. Denn Orte stehen nat\u00fcrlich einerseits f\u00fcr Untersuchungsgegenst\u00e4nde (&#8222;Eisb\u00e4ren in der Arktis&#8220;, &#8222;Minderheitensprachen in Italien&#8220;), andererseits f\u00fcr wissenschaftliche Institutionen (&#8222;Forscher in den USA&#8220;, &#8222;Wissenschaftler der Stanford-University&#8220;, &#8222;der Germanist am Lehrstuhl f\u00fcr Angewandte Linguistik an der TU Dresden&#8220;). Daran, wie sich die Nennung von Orten in wissenschaftsjournalistischen Texten in den Jahrzehnten ver\u00e4nderte, k\u00f6nnte man sehen, wie sich das Bild der Wissenschaft in den Medien ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Grundlage f\u00fcr meine Analysen war das (online verf\u00fcgbare) Archiv des Spiegels von 1947 bis 2010. Die Texte wurden korpuslinguistisch aufbereitet und dabei auch \u00a0Ortsbezeichnungen automatisch annotiert (mittels <a href=\"http:\/\/www.nlpado.de\/~sebastian\/software\/ner_german.shtml\">German Named Entity Recognition<\/a>\u00a0von Faruqui\/Pado) und georeferenziert (mit <a href=\"http:\/\/wiki.openstreetmap.org\/wiki\/Nominatim\">OpenStreetMap Nominatim<\/a>). Anschlie\u00dfend habe ich ausz\u00e4hlen lassen, welche Orte wann in Artikeln zu wissenschaftlichen Themen wie oft genannt werden. Dabei unterschied ich die Nennung von Regionen (&#8222;USA&#8220;, &#8222;Nordafrika&#8220;) und Orten (&#8222;Berlin&#8220;) und visualisierte das auf Karten (<a href=\"http:\/\/www.r-project.org\">R<\/a>, <a href=\"http:\/\/cran.r-project.org\/web\/packages\/rgdal\/index.html\">rgdal Library<\/a>).<\/p>\n<p>Vorerst m\u00f6chte ich nur zwei Karten zeigen: Die erste (oben) zeigt die genannten Orte und Regionen in der Zeit von 1947-1960, die zweite von 1990-2010. Die roten Punkte stehen f\u00fcr Orte, die gr\u00fcnen Fl\u00e4chen f\u00fcr genannte Regionen\/L\u00e4nder. Je dunkler und gr\u00f6\u00dfer die roten Punkte, desto h\u00e4ufiger wurden die entsprechenden Orte genannt, je dunkler die gr\u00fcnen Fl\u00e4chen, desto h\u00e4ufiger die Regionen.<\/p>\n<div id=\"attachment_360\" style=\"width: 1016px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1990-2010.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-360\" class=\"size-full wp-image-360\" alt=\"blkajsdf\" src=\"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1990-2010.png\" width=\"1006\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1990-2010.png 1006w, https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MapWissenschaft1990-2010-300x143.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1006px) 100vw, 1006px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-360\" class=\"wp-caption-text\">In Spiegel-Artikeln zu wissenschaftlichen Themen genannte Orte und Regionen: 1990-2010.<\/p><\/div>\n<p>Was sieht man?<\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"line-height: 16px;\">1990-2010 gibt es viel mehr und auch gr\u00f6\u00dfere rote Punkte \u00fcber fast die ganze Welt verstreut. Es werden also im Vergleich zu den 40er und 50er-Jahren mehr unterschiedliche Orte (und nicht nur Regionen) genannt.<\/span><\/li>\n<li>Bei den \u00e4lteren Daten bezieht sich die Berichterstattung haupts\u00e4chlich auf Europa, wo aber relativ differenziert verschiedene Orte genannt werden.<\/li>\n<li>Ebenso bei den \u00e4lteren Daten sind viele Regionen der Welt wei\u00df \u2013 dunkel eingef\u00e4rbt sind aber die USA, die oft genannt wird, ohne aber differenziert bestimmte Orte zu nennen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Karte scheint auf den ersten Blick zu best\u00e4tigen, dass in der Wissenschaftsberichterstattung differenzierter Regionen genannt werden \u2013 wobei nicht unterschieden werden kann, ob es sich haupts\u00e4chlich um genannte Institutionen oder um erforschte Regionen handelt. Und in der neueren Zeit wird mit der Wissenschaftsberichterstattung fast die ganze Welt abgedeckt, was fr\u00fcher nicht der Fall war, wo man eurozentristischer war und die restliche Welt, wenn \u00fcberhaupt, undifferenziert nennt \u2013 eben in Form der &#8222;Forscher aus den USA&#8220;.<\/p>\n<p>Eine methodische Anmerkung: Diese Sicht auf die Daten wird durch eine visuelle Analyse erm\u00f6glicht. Erst sie erlaubt es, die Menge an Daten zu \u00fcberblicken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wissenschaftsjournalismus hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. 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