{"id":32,"date":"2006-04-12T13:23:00","date_gmt":"2006-04-12T13:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/bubenhofer.com\/sprechtakel\/?p=32"},"modified":"2006-04-12T13:23:00","modified_gmt":"2006-04-12T13:23:00","slug":"die-inszenierung-des-todes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/2006\/04\/12\/die-inszenierung-des-todes\/","title":{"rendered":"Die Inszenierung des Todes"},"content":{"rendered":"<p>Mir wird ja schon etwas mulmig, wenn ich sowas lese:<\/p>\n<blockquote><p>Obwohl ich es seit langem wusste, wurde ich von der Nachricht ihres herannahenden Todes emotional schlicht umgehauen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Ich habe sie nie gemocht. Wie oft habe ich mir gew\u00fcnscht, in einem der Briefk\u00e4sten des Hauses (&#8230;) m\u00f6ge nur ein einziges Mal eine Mausefalle drapiert sein, die ihr mal ordentlich die Finger klemmt wegen ihr permanenten Verletzung des Briefgeheimnisses.<\/p>\n<p>Nun, da sie bald sterben wird, wird es sentimental und still in mir &#8211; denn sie wird mir fehlen &#8211; und wie. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p> Kann das Futur von &#8222;sterben&#8220;, &#8222;sie wird sterben&#8220;, im Sinne einer k\u00fchlen Feststellung verwendet werden? Gut, verzweifelt die H\u00e4nde der Patientin haltend, kann ich rufen &#8222;sie wird sterben!&#8220;, wobei da wohl immer noch der Wunsch nach einer Ausnahme inferiert wird (&#8222;wenn nicht ein Wunder passiert!&#8220;, &#8222;wenn man ihr nicht endlich hilft!&#8220;). Aber so, im Sinne von: &#8222;Sie wird ja bald sterben, das ist wirklich schade&#8230;&#8220;, als ob ich vom n\u00e4chsten Personalwechsel in der Finanzabteilung sprechen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Doch, manchmal geht das:<!--more--><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lindenstrasse.de\/lindenstrasse\/lindenstrassecms.nsf\/0\/81a436968a86340fc12569d6003eb04e\/RolleBiografieLang\/0.6614?OpenElement&#038;FieldElemFormat=jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Die gute Else Kling von der Lindenstrasse <a href=\"http:\/\/www.lindenstrasse.de\/lindenstrasse\/lindenstrassecms.nsf\/x\/0C56E83D49EC259AC125714D002E17F9?OpenDocument&#038;par=pg01\">soll beerdigt werden<\/a> &#8211; nicht die Schauspielerin, selbstverst\u00e4ndlich, die Figur. Und das obige Zitat ist &#8211; leicht verfremdet &#8211; der <a href=\"http:\/\/www.lindenstrasse.de\/lindenstrasse\/lindenstrassecms.nsf\/index\/u-zuschauerpost?OpenDocument&#038;RestrictToCategory=12-04-2006\">Zuschauerpost<\/a> entnommen. Beruhigend.<\/p>\n<p>Oder doch nicht? Die Trennung von Realit\u00e4t und Fiktion ist bei TV-Serien so eine Sache. Ebenfalls in der <a href=\"http:\/\/www.lindenstrasse.de\/lindenstrasse\/lindenstrassecms.nsf\/index\/u-zuschauerpost?OpenDocument&#038;RestrictToCategory=12-04-2006\">Zuschauerpost<\/a> zur Lindenstrasse ist folgender Ausschnitt zu lesen, der so beginnt: <\/p>\n<blockquote><p>Weiters m\u00f6chte ich auch meinen Unmut \u00fcber die Darstellerin der Urzula \u00e4u\u00dfern:<\/p><\/blockquote>\n<p> Die Kritik scheint sich zun\u00e4chst an der Darstellerin zu orientieren. Man vermutet vielleicht Kritik an einer mangelhaften schauspielerischen Leistung. Doch weit gefehlt:<\/p>\n<blockquote><p>Dieses st\u00e4ndige Gekreische und Gemeckere ihren Freund gegen\u00fcber ist unertr\u00e4glich, wieso wehrt er sich eigentlich nie? Er h\u00e4tte ja das realistische Argument bringen k\u00f6nnen, dass der Stalker Irina an jedem anderen Ort finden kann, wenn er sie in M\u00fcnchen auch gefunden hat und ihre Adresse, Tel.nr. usw. herausgefunden hat.<\/p><\/blockquote>\n<p> Es geht um die Figur; die Kritik richtet sich an die Figur der Geschichte &#8211; und damit eigentlich an die Drehbuchschreiber. Aber schuld ist trotzdem die &#8222;Darstellerin der Urzula&#8220;.<\/p>\n<p>Doch diese Mischung zwischen Realit\u00e4t und Fiktion ist wahrscheinlich das, was den Zauber von Theater und Film ausmacht. So ist es zwar so, dass im Theaterrahmen<\/p>\n<blockquote><p>mit Peirce zu sprechen, <i>genuine Indices<\/i> in <i>degenerierte Indices<\/i> transformiert [werden], die als <i>performative Gesten<\/i> spezifische theatrale Funktionen \u00fcbernehmen.<br \/><a href=\"http:\/\/user.uni-frankfurt.de\/~wirth\/texte\/WirthPerformanz.htm\">Uwe Wirth<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Doch gleichzeitig verschwimmen die Grenzen. Auch die Realit\u00e4t wird inszeniert: <\/p>\n<blockquote><p>Unsere zeitgen\u00f6ssische Kultur l\u00e4sst sich als eine Kultur der Inszenierung beschreiben oder auch als eine Inszenierung von Kultur.<br \/><i>Erika Fischer-Lichte: Grenzg\u00e4nge und Tauschhandel. Auf dem Wege zu einer performativen Kultur. In: Wirth, Uwe (Hrsg.): Performanz. Suhrkamp: Frankfurt am Main, 2002. S. 292<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p> Realit\u00e4t oder Fiktion? Ist doch Hans was Heiri&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir wird ja schon etwas mulmig, wenn ich sowas lese: Obwohl ich es seit langem wusste, wurde ich von der Nachricht ihres herannahenden Todes emotional schlicht umgehauen. (&#8230;) Ich habe sie nie gemocht. 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