{"id":31,"date":"2006-04-05T21:00:00","date_gmt":"2006-04-05T21:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/bubenhofer.com\/sprechtakel\/?p=31"},"modified":"2006-04-05T21:00:00","modified_gmt":"2006-04-05T21:00:00","slug":"wir-bedauern-es-sehr-uns-entschuldigen-zu-ma%c2%bcssen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/2006\/04\/05\/wir-bedauern-es-sehr-uns-entschuldigen-zu-ma%c2%bcssen\/","title":{"rendered":"Wir bedauern es sehr, uns entschuldigen zu m\u00fcssen!"},"content":{"rendered":"<p>Ich bitte um Entschuldigung, dass dieser neue Eintrag so lange auf sich hat warten lassen. Die knappe Zeit hatte es nicht zugelassen, das Sprechtakel zu f\u00fcttern; ich sah mich gezwungen, die Priorit\u00e4ten anders zu setzen und wenn jemandem daraus Leid entstanden sein sollte, bedaure ich das sehr. Sorry.<\/p>\n<p>Doch nun frisch ans Werk! Mit dem Entschuldigen ist das ja so eine Sache: &#8230;<!--more-->Das <a href=\"http:\/\/www.woerterbuchnetz.de\/woerterbuecher\/dwb\/wbgui?lemid=GE05553\">Grimm&#8217;sche W\u00f6rterbuch zitiert Schiller<\/a>, der sich beklagte: <\/p>\n<blockquote><p>es kann dich nichts entschuldigen; es ist nicht zu entschuldigen. heute wird &#8218;entschuldigen sie!&#8216; excusez, wie verzeihen sie! pardonnez, erlauben sie! permettez, als blosze, nichtssagende h\u00f6flichkeit in die rede eingeschaltet.<\/p><\/blockquote>\n<p> Als Sie das letzte Mal beim Aussteigen aus dem Tram diesen unm\u00f6glich im Wege stehenden Mann unsanft in die Rippen boxten, war f\u00fcr Sie das anschliessend ge\u00e4usserte &#8222;Entschuldigung!&#8220; wohl kaum mehr als eine Floskel. Oder h\u00e4tten Sie erwartet, dass er darauf antwortete &#8222;Ja, die Entschuldigung ist angenommen!&#8220;?<\/p>\n<p>Auch Politikerinnen und Politiker entschuldigen sich manchmal ganz leise, so z.B. der Schweizer Bundesrat Christoph Blocher, der in einer Rede statt von &#8222;angeklagten Albanern&#8220; von &#8222;Kriminellen&#8220; gesprochen hatte, was er zun\u00e4chst standhaft bestritt, aufgrund der erdr\u00fcckenden Beweislast einer Videoaufzeichnung jedoch sich <a href=\"http:\/\/www.ejpd.admin.ch\/ejpd\/de\/home\/dokumentation\/mi\/2006\/2006-03-291.html\">zu diesem Schritt<\/a> gezwungen f\u00fchlte: <\/p>\n<blockquote><p>Zur Aufregung um die Albisg\u00fcetlirede 2006<\/p>\n<p>Medienmitteilungen, EJPD, 29.03.2006<\/p>\n<p>Bern, 29.03.06. Statement von Bundesrat Christoph Blocher: \u00abEs geht um eine kurze Passage in meiner Albisg\u00fcetlirede 2006. In der schriftlichen Fassung wurden zwei Albaner korrekterweise als schwerer Verbrechen Angeklagte bezeichnet. In der m\u00fcndlichen Fassung habe ich an einer einzigen Stelle statt von mutmasslichen Kriminellen, von Kriminellen gesprochen. Das war ein Fehler, der mir leid tut. Es war ein sprachliches Versehen. Nie war es meine Absicht, die Albaner als verurteilte Kriminelle hinzustellen.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p> Doch ist das eine Entschuldigung? Der Blick hat sie immerhin als solche angenommen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width='304' height='416' style=\"border: 0px; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"\/sprechtakel\/uploads\/Blick_BlocherEntschuldigung.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Doch viel raffinierter machte das Lula da Silva: In einem Artikel der NZZ vom 13. August 2005 mit dem Titel \u201dLula entschuldigt sich\u201d wird der brasilianische Pr\u00e4sident folgendermassen zitiert: <\/p>\n<blockquote><p>\u201dIch sch\u00e4me mich nicht, dem brasilianischen Volk zu sagen, dass wir uns entschuldigen m\u00fcssen,<br \/>\ndass die Arbeiterpartei sich entschuldigen muss. Ich f\u00fchle mich betrogen durch inakzeptable Handlungsweisen, von denen ich nichts wusste.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p> Der Pr\u00e4sident bezieht sich hier auf den \u201dKorruptionsskandal (&#8230;), der seine Partei und seine Regierung in eine Krise gest\u00fcrzt hat\u201d. Die Strategie ist klar: Eigentlich sind die anderen schuld. Und er, als Pr\u00e4sident, wurde dadurch auch noch betrogen.<\/p>\n<p>In eine \u00e4hnliche Richtung zielt <a href=\"http:\/\/www.axelspringer.de\/inhalte\/pressese\/inhalte\/presse\/3748.html\">diese Entschuldigung hier<\/a>: <\/p>\n<blockquote><p>BILD am SONNTAG-Chefredakteur bittet Oliver Kahn um Entschuldigung f\u00fcr Abdruck falsch datierter Fotos <\/p>\n<p>20. Juli 2004<\/p>\n<p>Claus Strunz, Chefredakteur von BILD am SONNTAG, bittet Oliver Kahn \u00f6ffentlich um Entschuldigung f\u00fcr eine falsche Berichterstattung in der Ausgabe vom 18. Juli 2004. Ein Artikel unter der \u00dcberschrift \u201eErst Liebesnacht, dann Scheidungsschlacht\u201c basierte auf Agenturfotos, die Oliver Kahn beim Verlassen seiner Wohnung in M\u00fcnchen zeigen. Diese Fotos wurden der Zeitung mit falschen Zeit- und Datumsangaben angeboten. Trotz Quellenpr\u00fcfung und vorliegender eidesstattlicher Versicherung des Fotografen, stellte sich jetzt heraus, dass BILD am SONNTAG mit dem Abdruck der Fotos offenbar einem vors\u00e4tzlichen Betrug aufgesessen ist. Gegen den betreffenden Fotografen wird deshalb Strafanzeige erstattet.<\/p>\n<p>BILD am SONNTAG-Chefredakteur Claus Strunz: \u201eWir haben mit dem Abdruck der Fotos und der daraus resultierenden Berichterstattung in BILD am SONNTAG einen schweren Fehler gemacht, f\u00fcr den ich Oliver Kahn \u00f6ffentlich und in aller Form um Entschuldigung bitte. Trotz intensiver Quellenpr\u00fcfung sind wir Opfer eines Betr\u00fcgers geworden. Der Leidtragende ist Oliver Kahn und dies bedauern wir sehr.\u201c (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch eine der h\u00e4ufigsten Strategien des politischen sich entschuldigen d\u00fcrfte jene sein, die auch der Z\u00fcrcher Stadtpr\u00e4sident Ledergerber gew\u00e4hlt hatte. Im Zusammenhang mit den Einsprachen des umweltpolitischen VCS gegen einen Stadionneubau nannte Ledergerber in einem Fernsehinterview (<a href=\"http:\/\/www.sf.tv\/sf1\/tagesschau\/index.php?docid=20040525\">Tagesschau SF DRS vom 25. Mai 2004<\/a>) das Handeln des VCS als &#8222;Terrorismus&#8220;. Ung\u00fcnstig in dieser Zeit. Nach einigen Querelen musste er sich daf\u00fcr <a href=\"http:\/\/www3.stzh.ch\/internet\/mm\/home\/mm_04\/05_04\/mm_27.html\">entschuldigen<\/a>: <\/p>\n<blockquote><p>26. Mai 2004: Entschuldigung des Stadtpr\u00e4sidenten<\/p>\n<p>Sorry<\/p>\n<p>Ich habe vergangenen Montag das Verhalten des VCS Z\u00fcrich als \u00d6koterror bezeichnet. Selbstverst\u00e4ndlich habe ich damit in keiner Weise einen Vergleich mit dem schrecklichen Terror angestellt, der heute viele Menschen bedroht. Das Wort Terror hat umgangssprachlich aber auch eine harmlosere Bedeutung. Man kann von jemandem sagen, er oder sie mache Terror und man meint damit, dass man von jemandem extrem genervt wird. Die Reaktion von vielen Menschen hat mir gezeigt, dass ich auch so verstanden wurde.<\/p>\n<p>Sollte ich mit meiner zornigen Aussage aber jemanden verletzt oder vor den Kopf gestossen haben, so tut es mir aufrichtig leid. <\/p>\n<p>Trotzdem und erst recht appelliere ich an alle Beteiligten doch bitte mitzuhelfen, dass das Stadion rechtzeitig f\u00fcr die EM gebaut werden kann. Z\u00fcrich und die ganze Schweiz w\u00fcrde sonst einen unermesslichen Imageschaden erleiden. Der Zeitdruck ist nur darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass es dem Fussballverband gelungen ist, w\u00e4hrend der Stadionplanung die EM in die Schweiz zu holen und deshalb das Stadion 2007 fertig gestellt sein muss. Sonst k\u00f6nnten wir mit mehr Gelassenheit die Baufreigabe abwarten.<\/p>\n<p>Elmar Ledergerber, Stadtpr\u00e4sident<\/p><\/blockquote>\n<p> Nein, auch das ist keine Entschuldigung im engeren Sinn: Schuld sind halt jene, die das falsch verstanden haben. <i>Gemeint<\/i> war das so ja nicht&#8230;<\/p>\n<p>Doch auch normale Leute entschuldigen sich hin und wieder ganz \u00f6ffentlich, wie z.B. der Blogger &#8222;BoxHamster&#8220; in einem <a href=\"http:\/\/www.boxhamster.net\/?p=62\">Eintrag vom 8. M\u00e4rz dieses Jahres<\/a>: <\/p>\n<blockquote><p>Entschuldigung<\/p>\n<p>So Ihr wundert euch bestimmt, warum der Blog auf einmal so leer ist, naja ich hab gro\u00dfen Mist gebaut,<br \/>\nich hab bei einigen anderen Blogusern, Beitr\u00e4ge \u00fcbernommen, und deren Namen noch nicht, einmal verlinkt, das war echt Scheisse, naja ich fang jetzt mal vorne an, hab alle Eintr\u00e4ge gel\u00f6scht, auch die wenigen die ich selber verfasst habe, wenn ich in Zukunft Beitr\u00e4ge oder Infos von Irgendwelchen anderen Bloggern habe, dann frag ich vorher nach und verweise auf deren Seiten zur\u00fcck. Ich hoffe Ihr nehmt meine Entschuldigung an.<\/p>\n<p>MFG BoxHamster<\/p><\/blockquote>\n<p> Das m\u00f6chte ich eine klassische Entschuldigung nennen! Da ist sich der Schreibende noch unsicher dar\u00fcber, ob die Gesch\u00e4digten seine Entschuldigung \u00fcberhaupt annehmen. Doch das tun sie, wie die <a href=\"http:\/\/www.boxhamster.net\/?p=62\">Kommentare dazu<\/a> zeigen. Wenn sich alles so in Minne aufl\u00f6st, dann kann sich entschuldigen geradezu Balsam f\u00fcr die Seele sein; doch in der Politik steckt hinter dem Entschuldigen wohl immer Kalk\u00fcl, das auch das <a href=\"http:\/\/www.woerterbuchnetz.de\/woerterbuecher\/dwb\/wbgui?lemid=GE05555\">Grimm&#8217;sche W\u00f6rterbuch als erstes erw\u00e4hnt<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>ENTSCHULDIGUNG, f. excusatio: also der schalkhaftig mensch, wenn der gebosset hat, da sihest du das werk und erwischest in daran, und wenn du in gefangen hast, so verbirgt er es, macht so vil entschuldigung und wicklet es also in, das du nichts mer kanst reden. KEISERSBERG s. d. m. 13b; (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bitte um Entschuldigung, dass dieser neue Eintrag so lange auf sich hat warten lassen. 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