{"id":24,"date":"2006-02-20T21:10:00","date_gmt":"2006-02-20T21:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/bubenhofer.com\/sprechtakel\/?p=24"},"modified":"2006-02-20T21:10:00","modified_gmt":"2006-02-20T21:10:00","slug":"fussball-wm-1-zu-0-fa%c2%bcr-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/2006\/02\/20\/fussball-wm-1-zu-0-fa%c2%bcr-die-schweiz\/","title":{"rendered":"Fussball-WM: 1 zu 0 f\u00fcr die Schweiz?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" width='134' height='166' style=\"float: left; border: 0px; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"\/sprechtakel\/uploads\/eszett.jpg\" alt=\"\" \/>Ich bin v\u00f6llig Fussball-desinteressiert. Interessant fand ich aber <a href=\"http:\/\/www.kleinreport.ch\/meld.phtml?id=33239\">folgende Meldung<\/a> im Klein-Report:<\/p>\n<blockquote><p>An Fussball-WM muss Fussball ohne Eszett geschrieben werden<\/p><\/blockquote>\n<p>Schafft hier die Schweizer FIFA das, was die Rechtschreibreform nicht durchsetzen konnte? Doch der Reihe nach.<!--more-->Nach Duden schreibt sich der runde Gott so: <b>Fu\u00dfball<\/b>. Nur die pragmatischen Schweizerinnen und Schweizer d\u00fcrfen <i>Fussball<\/i> ohne Eszett schreiben. Letzteres ist dort schon l\u00e4nger abgeschafft. In Deutschland wurden die Regeln der Verwendung des Eszett zwar vereinfacht, jedoch nicht abgeschafft. Nach langen Vokalen (und Diphtongen wie &#8222;au&#8220;, &#8222;ei&#8220;, &#8222;eu&#8220; etc.) wird ein Doppel-S mit einem Eszett (\u00df) umschrieben.<\/p>\n<p>Doch im Fussball liegen nicht nur zwei unterschiedliche Schreibweisen, sondern auch Geld. Die <a href=\"http:\/\/www.fifa.com\">FIFA<\/a> m\u00f6chte mit den WM-Spielen Sponsoren an Bord holen, die mehr oder weniger exklusiv mit den Spielen werben k\u00f6nnen. Daf\u00fcr muss die Marke &#8222;WM&#8220; stabil sein. So legt die FIFA ein <a href=\"http:\/\/www.fifa.com\/de\/regulations\/regulation\/0,1584,7,00.html\">umfangreiches Regelwerk<\/a> f\u00fcr die Medien \u00fcber den Gebrauch der &#8222;Wortmarke&#8220; <i>FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006<\/i> auf. Ein Ausschnitt:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width='461' height='196' style=\"border: 0px; padding-left: 5px; padding-right: 5px;\" src=\"\/sprechtakel\/uploads\/fifa-regeln.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Es gab dar\u00fcber bereits Protest in den Medien. So schrieb die &#8222;Welt&#8220; am 15. Februar 2006: <\/p>\n<blockquote><p>Geht es nach dem Willen des Weltfu\u00dfballverbandes, so greifen die strengen Fifa-Regeln nicht nur bei offiziellen Logos wie den &#8222;Celebrating Faces&#8220; oder dem Maskottchen &#8222;Goleo VI&#8220;, sondern auch bei der Verwendung von mehr als 70 sogenannten Wortmarken. Die Liste reicht von &#8222;World Cup&#8220; \u00fcber &#8222;Germany 20006&#8220; und &#8222;WM-Bier&#8220; bis zum schlichten K\u00fcrzel &#8222;WM&#8220;. [&#8230;] Und akkreditierte Journalisten sind aufgefordert, in ihren Texten das Wort &#8222;Fifa WM 2006&#8220; zu benutzen, besser noch &#8222;Fifa Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006&#8220;. Eine Vorschrift, die etwa der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Zeitungsverlegerverbandes BDZV, Dietmar Wolff, f\u00fcr rechtlich nicht haltbar h\u00e4lt.<br \/><i>Die Welt vom 15. Februar 2006. Wilfried Urbe: Marken-Streit um die WM; Zeitungen und Magazine wehren sich mit Alternativ-Logos gegen Restriktionen des Weltfu\u00dfballverbandes. S.30<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p> Und die taz schreibt am 6. Februar 2006: <\/p>\n<blockquote><p>Weil sich die Fifa Wort-Marken hat sch\u00fctzen lassen, soll die Presse nicht mehr einfach WM schreiben d\u00fcrfen. Ist das schon Zensur?<\/p>\n<p>&#8222;Deutschland verliert das Er\u00f6ffnungsspiel der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006&#8220;. Wenn die Zeitungen am 10. Juni mit dieser Schlagzeile aufmachen, haben die Marketing-Strategen der Fifa einen guten Job gemacht. Wenn in den Artikeln der Austragungsort dann noch korrekt mit &#8222;Fifa WM Stadion M\u00fcnchen&#8220; benannt ist, k\u00f6nnen sie beruhigt einen Spaziergang durch den Englischen Garten machen. Dort, unweit des Stadions, das zur WM nicht &#8222;Allianz-Arena&#8220; hei\u00dfen darf, residiert die Fifa Marketing &#038; TV Deutschland GmbH. Die hat sich Richtlinien f\u00fcr die WM-Berichterstattung ausgedacht, die fast an Zensur grenzen.<\/p>\n<p>So schreibt die Fifa genauestens vor, mit welchen W\u00f6rtern Medien \u00fcber die WM berichten d\u00fcrfen. Wort-Marken wie &#8222;Fifa Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006&#8220; hat sie sich sch\u00fctzen lassen und RedakteurInnen aufgefordert, die Marken in ihren Artikeln nur in der vorgeschriebenen Weise zu verwenden.<br \/><i>taz, die tageszeitung vom 6. Februar 2006. Michael Aust: Goleo und die Pressefreiheit; kommentar. tazzwei; S. 14<br \/>\n<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Doch, halt: In beiden Artikeln steht &#8222;Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft&#8220;, nicht &#8222;Fu<b>ss<\/b>ball-Weltmeisterschaft&#8220;! Haben die deutschen Redaktionen noch nicht erkannt, wie weit die FIFA-Regelung geht? Oder findet dann die FIFA doch, sie w\u00fcrde sich in Deutschland an die dort g\u00fcltigen Rechtschreibregeln halten?<\/p>\n<p>Eine Stellungnahme von der FIFA dazu ist noch ausstehend. Wenn es aber tats\u00e4chlich so ist, dass die FIFA in Deutschland die Schreibung von &#8222;Fussball&#8220; durchsetzt, ist das bemerkenswert. Vielleicht wird sich dann eine semantische Differenzierung entwickeln: &#8222;Fu\u00dfball&#8220; spielt man mit seinen Kumpeln im Dorf. &#8222;Fussball&#8220; hingegen ist eine kommerzielle Veranstaltung, die alle vier Jahre stattfindet und irgendwelche Wurzeln in einem sportlichen Mannschaftsspiel hat. Ausser in der Schweiz: Dort gibt es nur Kommerz. Oder doch noch die Einf\u00fchrung des Eszett.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin v\u00f6llig Fussball-desinteressiert. Interessant fand ich aber folgende Meldung im Klein-Report: An Fussball-WM muss Fussball ohne Eszett geschrieben werden Schafft hier die Schweizer FIFA das, was die Rechtschreibreform nicht durchsetzen konnte? Doch der Reihe nach.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-24","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-3-sprechtakel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}