{"id":189,"date":"2012-01-21T12:13:47","date_gmt":"2012-01-21T12:13:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/?p=189"},"modified":"2012-06-12T12:58:58","modified_gmt":"2012-06-12T12:58:58","slug":"skandalisierung-berichterstattung-zu-wulff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/2012\/01\/21\/skandalisierung-berichterstattung-zu-wulff\/","title":{"rendered":"Skandalisierung: Berichterstattung zu Wulff"},"content":{"rendered":"<p>Die Skandale um Bundespr\u00e4sident <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_Wulff\">Christian Wulff<\/a> sind ein wunderbares Untersuchungsobjekt f\u00fcr die Linguistik. Genauer: Die Berichterstattung dar\u00fcber. Wie wird ein Skandal sprachlich konstruiert?<\/p>\n<p>Um dies zu untersuchen habe ich ein kleines Korpus aller Artikel zu &#8222;Wulff&#8220;, die auf Bild.de und Sueddeutsche.de erschienen sind, zusammengestellt. Das Korpus umfasst gut 2 Mio. W\u00f6rter und verteilt sich wie folgt:<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td style=\"text-align: right;\"><em>W\u00f6rter<\/em><\/td>\n<td style=\"text-align: right;\"><em>Artikel<\/em><\/td>\n<td style=\"text-align: right;\"><em>W\u00f6rter\/Artikel<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"color: #ff0000;\">Bild.de<\/span><\/td>\n<td align=\"right\">907.176<\/td>\n<td align=\"right\">\u00a02551<\/td>\n<td align=\"right\">356<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"color: #0000ff;\">Sueddeutsche.de<\/span><\/td>\n<td align=\"right\">1.201.773<\/td>\n<td align=\"right\">1519<\/td>\n<td align=\"right\">791<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Nicht weiter \u00fcberraschend: Bild-Artikel sind im Schnitt etwa halb so lang wie Artikel der S\u00fcddeutschen Zeitung. Interessanter ist nun das Folgende: Ein Indikator daf\u00fcr, ob etwas positiv, neutral oder negativ dargestellt wird, sind Adjektive. Deshalb habe ich in den Texten alle Adjektive extrahiert, die vor &#8222;Bundespr\u00e4sident&#8220; erscheinen. Dabei ist folgende Grafik entstanden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/RplotAdjektive-v2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-201\" title=\"Adjektive vor 'Bundespr\u00e4sident' in Artikeln von Bild.de und Sueddeutsche.de\" src=\"http:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/RplotAdjektive-v2.png\" alt=\"\" width=\"1565\" height=\"1265\" srcset=\"https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/RplotAdjektive-v2.png 1565w, https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/RplotAdjektive-v2-300x242.png 300w, https:\/\/www.bubenhofer.com\/sprechtakel\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/RplotAdjektive-v2-1024x827.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1565px) 100vw, 1565px\" \/><\/a>Man sieht in der Grafik, wann von welcher Zeitung welche Adjektive verwendet wurden. Auf der gleichen horizontalen Linie erscheint immer das gleiche Adjektiv (darunter auch solche, die vom Tagger f\u00e4lschlicherweise als Adjektiv klassifiziert wurden), wobei ersichtlich wird, zu welchen Zeitpunkten besonders viele Adjektive verwendet werden. Im Detail:<\/p>\n<ul>\n<li>Um die Zeitpunkte der Wahl des Bundespr\u00e4sidenten (30. Juni 2010) und nach dem ersten Bild-Bericht \u00fcber Wulffs Hauskredit (13. Dezember 2011) h\u00e4ufen sich die verwendeten Adjektive bei beiden Zeitungen.<\/li>\n<li>Zwischen diesen Zeitpunkten sind vor allem rot eingef\u00e4rbte Adjektive zu erkennen, also solche, die in Bild-Berichten erschienen. Diese Zeitung berichtete kontinuierlicher \u00fcber Wulff als die S\u00fcddeutsche.<\/li>\n<li>Die Art der verwendeten Adjektive \u00e4ndert sich: Um die Wahl herum ist vor allem vom &#8222;neuen Bundespr\u00e4sidenten&#8220; die Rede, die Bild verwendet <span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;jung&#8220;, &#8222;deutsch&#8220;, &#8222;jetzig&#8220;, &#8222;damalig&#8220;\/&#8220;ehemalig&#8220;<\/span> (nicht auf Wulff bezogen) etc. bis zum Kredit-Artikel hin. Ab dann \u00e4ndert sich das Bild und es sind viel mehr negativ konnotierte Adjektive sichtbar: <span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;lausig&#8220;, &#8222;tolpatschig&#8220;, &#8222;gebeutelt&#8220;, &#8222;b\u00f6se&#8220; (Bild)<\/span>, <span style=\"color: #0000ff;\">&#8222;umstritten&#8220;, &#8222;schlecht&#8220;, &#8222;reum\u00fctig&#8220;, &#8222;bedr\u00e4ngt&#8220; (S\u00fcddeutsche)<\/span> etc.<\/li>\n<li>Die Anzahl der unterschiedlichen Adjektive ist seit dem Bild-Kreditbericht gr\u00f6\u00dfer als noch bei der Wahl: Der Skandal bedeutet, dass weniger uniform \u00fcber Wulff geschrieben wird; nach der Wahl scheint \u2013 zumindest gemessen an den Adjektiven \u2013 die Berichterstattung weniger emotional und etwas eint\u00f6niger gewesen zu sein. Jetzt ist sie emotionaler und adjektivfreudiger.<\/li>\n<\/ul>\n<div><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-size: small;\">(Kleines Update: Grafik ohne Beschriftung der y-Achse; erster Absatz: Skandale werden nat\u00fcrlich konstruiert und sind nicht einfach da&#8230;)<\/span><\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Skandale um Bundespr\u00e4sident Christian Wulff sind ein wunderbares Untersuchungsobjekt f\u00fcr die Linguistik. Genauer: Die Berichterstattung dar\u00fcber. Wie wird ein Skandal sprachlich konstruiert? 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