Ich und das Mobiltelefon: Dokumentation eines Selbstversuchs
"Du kannst nicht über Mobiltelefone forschen, wenn du selber keines hast!", stellte mein Kumpel kürzlich klipp und klar fest.
Er hat ja Recht, aber dieser risikovolle Selbstversuch soll immerhin dokumentiert werden. Mein Mobiltelefon-Tagebuch(*):
Das Experiment ist beendet, das Mobiltelefon ausser Betrieb, Funkstille...
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13. Okt. 2002: Und was mache ich jetzt damit?
"Ihr aktuelles Guthaben betraegt CHF 21.68 inklusive MwSt." meldet mir heute mein Mobiltelefon auf die entsprechende Frage. Ich habe in den letzten drei Tagen also für gerade CHF 3.32 Kommunikationsdienstleistungen bezogen. Schon bei durchschnittlich kommunikativen Mitmenschen ruft dieser Betrag wohl ein müdes Lächeln hervor. Und gleichzeitig werden sie mir warnen: Das ist nur der Anfang...
Der erste Anruf den ich gestern erhielt, habe ich glatt verpasst. Ich konnte das komische Geräusch einfach nicht einordnen, bis ich merkte, dass es das Vibrato des Telefons ist (auf einem hölzernen Tisch liegend), bzw. war, das meine Aufmerksamkeit wecken wollte. Zu spät. Doch der Anrufer hat Spuren hinterlassen, wenn auch nur eine Telefonnummer, mit der das Telefon noch nichts anfangen konnte. Meine papierene Agenda half mir dann weiter (obwohl diese nicht dafür angelegt ist, den Namen zu einer Nummer zu suchen - doch zum Glück habe ich nicht so viele Freunde...). Ich rief zurück, aber natürlich - ich bekenne es - festnetzisch...
Meine mangelnden Erfahrungen mit dem Mobiltelefon müssen also bekämpft werden. Das heisst: Ich brauche Anruferinnen und Anrufer! (Mir wird es etwas flau in der Magengegend bei diesem Aufruf, immerhin gehöre ich zu jenem Teil der Menschheit, der sehr ungern telefoniert und für den die Erfindung der E-Mails ein wahrer Segen war...) Aber wer jetzt schon freudig auf einen Gesprächspartner zum Telefon greift: Nein, die Nummer gebe ich nicht bekannt. Aber: Ihr könnt mir hier und jetzt eine SMS schreiben, die mich in Sekundenschnelle erreicht. Dazu gibt es ein Formular, das Platz für zwei Zeilen à 50 Zeichen fasst. Also fasst euch kurz. Und damit es noch einfacher wird: Beantwortet doch bitte einfach die Frage: Wieviel Geld pro Monat, Woche oder Tag geht bei dir drauf für mobile Kommunikation?
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Als Kommunikationswissenschafter und Linguist
beschäftige ich mich mit den Medien, die uns umschwirren. Die Mobiltelefonie ist ein unbestritten interessantes Phänomen der letzten Jahrzehnte.
1997, als ich mich das erste Mal mit den linguistischen Besonderheiten der Mobilkommunikation beschäftigte, war das wissenschaftliche
Interesse noch schmal. Fünf Jahre später gibt es reichhaltige Literatur zum Thema.
Obwohl Selbstinspektion ein riskantes Verfahren der Empirie ist, kann ich den Vorwurf nicht von der Hand weisen, dass ich
schon selber Erfahrungen mit einem Mobile sammeln müsse, um dieses Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zu machen.
Nun gut, so sei es: Ich kaufe mir eins. Soviel steht am 8. Oktober 2002 fest. Wie es weiter geht, entnehme man dem Tagebuch...