Ich und das Mobiltelefon: Dokumentation eines Selbstversuchs

"Du kannst nicht über Mobiltelefone forschen, wenn du selber keines hast!", stellte mein Kumpel kürzlich klipp und klar fest. Er hat ja Recht, aber dieser risikovolle Selbstversuch soll immerhin dokumentiert werden. Mein Mobiltelefon-Tagebuch(*):

Das Experiment ist beendet, das Mobiltelefon ausser Betrieb, Funkstille...

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11. Okt. 2002: Das Experiment kann beginnen...

"Wow!" war das erste Wort, das ich als SMS-Nachricht auf meinem gestern erstandenen Mobiltelefon erhielt. Es ist die Reaktion meines Kumpels (siehe Einleitung oben) auf meine SMS, die mein Leben als frischgebackener Mobiltelefonbesitzer verkündete. Wobei diese kommunikatorische Sternstunde in einem fahrenden Zug zwischen Zürich und Landquart statt fand. Dass ich den Moment des erstmaligen Surrens und Piepsens des Telefons nicht mehr genau lokalisieren kann, liegt wohl daran, dass ich während des Blätterns in der vielstufigen Menühierarchie des Mobiltelefons völlig meine Umgebung vergass (und darob fast vergass, in Landquart auszusteigen...).

Als ich wenige Stunden vorher im Geschäft nach einem Mobiltelefon mit Prepaid-Karte fragte, zeigte der nette Verkäufer auf zwei Modelle ganz unten in der Vitrine. Das eine kostete keine fünfzig Franken, sah aber so aus, wie Mobiltelefone wohl vor fünf Jahren ausgesehen haben. Das zweite kostete hundert Franken mehr, glich aber eher den prototypischen Formen eines aktuellen - aber unspektakulären Modells. Ich hatte die Wahl zwischen Siemens (billig) und Nokia (etwas weniger billig).

Ich wurde ja aufgeklärt, dass Nokia sowas wie Windows in der Betriebssystem-Welt sei: Zumindest in der Schweiz muss man ein Nokia haben. Deshalb wollte ich mir als Mac-User eigentlich ein Ericsson-Gerät zulegen, um einen Kontrapunkt zum Markenmainstream zu setzen. Illusorisch. Immerhin tröste ich mich mit dem Gedanken, dass in Schweden wohl Ericsson zum Mainstream und Nokia zum Exotischen gehört... Aber wie es jetzt noch um die Telefongesellschaft steht, was Hipness angeht, weiss ich natürlich nicht. Ich glaube, es ist, bis ich die Verhältnisse analysiert habe, schlauer, nicht zu verraten, bei welcher Gesellschaft ich gelandet bin. Immerhin ergeben sich ja aus Geräte-Marken-Wahl und Telefongesellschafts-Wahl in der Schweiz sechs verschiedene Kombinationsmöglichkeiten, die gesellschaftlich irgendwie eingestuft werden müssen von Super-Hip bis festnetztelefoniererisch-warmduscherisch-öd. Diese Verhältnisse gesellschaftlicher Status- und Prestige-Zuschreibung gilt es in den nächsten Wochen differenziert zu analysieren...

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Warum, weshalb und wie es dazu kam...

Als Kommunikationswissenschafter und Linguist beschäftige ich mich mit den Medien, die uns umschwirren. Die Mobiltelefonie ist ein unbestritten interessantes Phänomen der letzten Jahrzehnte. 1997, als ich mich das erste Mal mit den linguistischen Besonderheiten der Mobilkommunikation beschäftigte, war das wissenschaftliche Interesse noch schmal. Fünf Jahre später gibt es reichhaltige Literatur zum Thema.

Obwohl Selbstinspektion ein riskantes Verfahren der Empirie ist, kann ich den Vorwurf nicht von der Hand weisen, dass ich schon selber Erfahrungen mit einem Mobile sammeln müsse, um dieses Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zu machen. Nun gut, so sei es: Ich kaufe mir eins. Soviel steht am 8. Oktober 2002 fest. Wie es weiter geht, entnehme man dem Tagebuch...