Ich und das Mobiltelefon: Dokumentation eines Selbstversuchs

"Du kannst nicht über Mobiltelefone forschen, wenn du selber keines hast!", stellte mein Kumpel kürzlich klipp und klar fest. Er hat ja Recht, aber dieser risikovolle Selbstversuch soll immerhin dokumentiert werden. Mein Mobiltelefon-Tagebuch(*):

Das Experiment ist beendet, das Mobiltelefon ausser Betrieb, Funkstille...

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09. Okt. 2002: Natel und Handy

Die Menschen dieser Erde sind sich ja sehr uneins, wie das kleine Telefon benannt werden soll. In der Schweiz hält sich hartnäckig der Begriff "Natel". Das ursprüngliche Natel hat aber nicht mehr viel mit dem heutigen Mobiltelefon gemein. Die PTT (ja, so hiessen die mal...) nannten nämlich (ich glaube das war in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts) die ersten Autotelefone so. Natel war dabei die Abkürzung für NAtionales AutoTELefon. Diese Natels waren schwer (man führte eine ganze Sendeanlage mit dem Auto mit) und kaum verbreitet.

Doch der Begriff hält sich bis heute. Er ist aber so stark mit der Schweiz und der PTT - heute mit der Swisscom - verbunden, dass unsere Nachbarn keine Ahnung haben, was unter "Natel" zu verstehen ist.

Aber das "Handy" ist im Vormarsch. Von dem wissen zwar Englisch sprechende nicht, was es ist, denn dort heisst es cell phone oder mobile. Und handy ist ein Adjektiv...

Aber im deutschsprachigen Raum ist "Handy" die meist benutzte Bezeichung für das Mobiltelefon. Auch in der Schweiz: Wobei eine Suche in Altavista zeigt, dass auf Schweizer Websites "Natel" vor nicht allzu langer Zeit häufiger genannt wurde als "Handy". Heute ist es umgekehrt.

Ich habe aber noch immer kein Natel, kein Handy und auch kein Mobiltelefon. Denn die Geschäfte sind schon geschlossen, und ich habe jetzt doch keine Lust auf das Experiment, die Handyverfügbarkeit zwischen 20 und 8 Uhr auszutesten...

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Warum, weshalb und wie es dazu kam...

Als Kommunikationswissenschafter und Linguist beschäftige ich mich mit den Medien, die uns umschwirren. Die Mobiltelefonie ist ein unbestritten interessantes Phänomen der letzten Jahrzehnte. 1997, als ich mich das erste Mal mit den linguistischen Besonderheiten der Mobilkommunikation beschäftigte, war das wissenschaftliche Interesse noch schmal. Fünf Jahre später gibt es reichhaltige Literatur zum Thema.

Obwohl Selbstinspektion ein riskantes Verfahren der Empirie ist, kann ich den Vorwurf nicht von der Hand weisen, dass ich schon selber Erfahrungen mit einem Mobile sammeln müsse, um dieses Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zu machen. Nun gut, so sei es: Ich kaufe mir eins. Soviel steht am 8. Oktober 2002 fest. Wie es weiter geht, entnehme man dem Tagebuch...