Ich und das Mobiltelefon: Dokumentation eines Selbstversuchs

"Du kannst nicht über Mobiltelefone forschen, wenn du selber keines hast!", stellte mein Kumpel kürzlich klipp und klar fest. Er hat ja Recht, aber dieser risikovolle Selbstversuch soll immerhin dokumentiert werden. Mein Mobiltelefon-Tagebuch(*):

Das Experiment ist beendet, das Mobiltelefon ausser Betrieb, Funkstille...

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09. Jan. 2003: Full Impact-Phase

Das waren ja unangenehme Weihnachtstage: Soll ich, soll ich nicht, möchte ich mein Leben riskieren - für die Wissenschaft? Auslöser dieser Tragödie war diese Zuschrift, die am 23. 12. noch reinflatterte:

Lieber Noah, Sibylle M. und ich haben uns neulich gefragt, ob Dein Mobile-Experiment nun nach den ersten subjektiv mutigen, soziologisch betrachtet jedoch zaghaften Schritten in die Full Impact-Phase gehen sollte. Es ist Zeit, dass Du Deine Cell Phone-Nummer veröffentlichst und beobachtest, wie sich dabei zunächst das Verhalten Deines Phönchens verändert, später dann Dein eigenes. Am echtesten werden Deine Full Impact-Erfahrungen wahrscheinlich, wenn Du gleich Deinem gesamten Kundenstamm (der sich ja in Deinem Mail-Adressbuch befindet) die relevanten Ziffern zukommen lässt. Ich wünsche Dir weiterhin viel Mut zeitgeistnahe Lebenserfahrungen ;-)
Dies schreibt mir D. H. aus B., was für ein Vorschlag! Jaja, und ich habe sie schon bemerkt, die Häme in der Klammer: der [dein gesamter Kundenstamm, NB] sich ja in Deinem Mail-Adressbuch befindet! Dabei wurde im Dezember 2002 meine Website 870 mal besucht, im November waren es sogar je gut 1000 Besuche! Und nach der Publikations-Seite wird die Mobiltelefon-Tagebuch-Seite am zweithäufigsten aufgerufen! Einer der fleissigsten Besucher ist ein hispeed-Client - ups, das bin glaub' ich... Aber sie kommen von der Schweiz, Deutschland, von Österreich, Frankreich, Polen, Argentinien, Italien, auch aus Unbekannt und aus Firmen und aus Netzwerk... Und einer der häufigsten Suchbegriffe, der auf meine Seite führt, lautet "mobiltelefon"... Ha!

Aber lassen wir das. Ich verdränge nur, Full Impact ist gefragt, und wie schon auf den Hinweis meines Kumpels, Forschung zur Mobiltelefonie bedinge den Besitz eines solchen, bin ich auch bei diesem Vorschlag gezwungen, einzulenken. Deshalb, machen wirs doch gleich öffentlich. Hier ist sie*:



Doch viel interessanter ist in diesem Zusammenhang der Hinweis von L. M. aus Z.-Oe.:
...wunderbar! ich werde mir ein solches gerät kaufen und in zukunft
immer auf reisen in öffentlichen verkehrsmitteln mitnehmen! es gibt also
hoffnung...
Wobei dazu der folgende Link gehört: http://www.alarm.de/security/pd1028138651.htm?categoryId=15

Das ist wirklich wunderbar. Ich werde dieses Störgerät gleich kaufen und es einfach immer mit mir herumtragen - dann könnt ihr solange anrufen wie ihr wollt. Bah.

* Achtung, mit dem Anruf auf die angegebene Mobiltelefonnummer erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Anruf zwecks wissenschaftlicher Forschung aufgezeichnet, transkribiert, analysiert, zerlegt, veröffentlicht (sowohl online als auch offline) und/oder verkauft wird. Sie erkären sich damit einverstanden, dass jeglicher Inhalt von Gesprächen, die über diese Nummer abgewickelt werden, an Dritte weitergegeben und vermarktet werden kann. Sie sind an allfälligen Gewinnen, die aus der Nutzung des Anrufs erfolgen können, in keiner Weise beteiligt.

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Warum, weshalb und wie es dazu kam...

Als Kommunikationswissenschafter und Linguist beschäftige ich mich mit den Medien, die uns umschwirren. Die Mobiltelefonie ist ein unbestritten interessantes Phänomen der letzten Jahrzehnte. 1997, als ich mich das erste Mal mit den linguistischen Besonderheiten der Mobilkommunikation beschäftigte, war das wissenschaftliche Interesse noch schmal. Fünf Jahre später gibt es reichhaltige Literatur zum Thema.

Obwohl Selbstinspektion ein riskantes Verfahren der Empirie ist, kann ich den Vorwurf nicht von der Hand weisen, dass ich schon selber Erfahrungen mit einem Mobile sammeln müsse, um dieses Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zu machen. Nun gut, so sei es: Ich kaufe mir eins. Soviel steht am 8. Oktober 2002 fest. Wie es weiter geht, entnehme man dem Tagebuch...