"Du kannst nicht über Mobiltelefone forschen, wenn du selber keines hast!", stellte mein Kumpel kürzlich klipp und klar fest. Er hat ja Recht, aber dieser risikovolle Selbstversuch soll immerhin dokumentiert werden. Mein Mobiltelefon-Tagebuch(*):
Das Experiment ist beendet, das Mobiltelefon ausser Betrieb, Funkstille...
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23. Dez. 2002: Kommunizieren bei 140 km/hAm Samstag erlebte ich endlich mal das erhebende Gefühl, im fahrenden Zug angerufen zu werden. Es passierte mir zwar schon mal, dass ich einen Anruf im Zug empfing, nur stand der Zug dabei blöderweise noch im Bahnhof. Ich kam also gar nicht dazu, Kommunikation unter erschwer-chchchchchchchtschfffffffifififi-ten Bedingungen zu tütütütütütüüü ... - Ich kam also gar nicht dazu, Kommunikation unter erschwer- uff! -ten Bedingungen zu testen und die zahlreichen sprachlichen Kniffs zur Rauschunterdrückung auszuprobieren: Schreien, einfacher Satzbau, möglichst nur Vokale, Verben im Infinitiv verwenden, Nachricht vom Gesprächspartner wiederholen lassen (... Ende, Antworten bitte? - Jawohl, verstanden, ich wiederhole...) - ich erinnere mich da noch schwach an die Funklektion im Zivilschutz: Bruno Uno an Bruno Due, antworte bitte - Bruno Due an Bruno Uno verstande... | ||
Als Kommunikationswissenschafter und Linguist beschäftige ich mich mit den Medien, die uns umschwirren. Die Mobiltelefonie ist ein unbestritten interessantes Phänomen der letzten Jahrzehnte. 1997, als ich mich das erste Mal mit den linguistischen Besonderheiten der Mobilkommunikation beschäftigte, war das wissenschaftliche Interesse noch schmal. Fünf Jahre später gibt es reichhaltige Literatur zum Thema.
Obwohl Selbstinspektion ein riskantes Verfahren der Empirie ist, kann ich den Vorwurf nicht von der Hand weisen, dass ich schon selber Erfahrungen mit einem Mobile sammeln müsse, um dieses Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zu machen. Nun gut, so sei es: Ich kaufe mir eins. Soviel steht am 8. Oktober 2002 fest. Wie es weiter geht, entnehme man dem Tagebuch...