Ich und das Mobiltelefon: Dokumentation eines Selbstversuchs

"Du kannst nicht über Mobiltelefone forschen, wenn du selber keines hast!", stellte mein Kumpel kürzlich klipp und klar fest. Er hat ja Recht, aber dieser risikovolle Selbstversuch soll immerhin dokumentiert werden. Mein Mobiltelefon-Tagebuch(*):

Das Experiment ist beendet, das Mobiltelefon ausser Betrieb, Funkstille...

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08. Okt. 2002: t68i oder 3310? nokia, ericsson oder was?

Eigentlich gehöre ich zu jenen, die gerne in Computer-Katalogen schmökern. Ich kenne die Trends bei den Laptops, Desktops, auch bei den Palms. Aber ich habe keine Ahnung von Mobiltelefonen. Gut: Wie die Dinger ungefähr funktionieren, weiss ich. Was SMS, UMTS und Bluetooth ist, weiss ich auch. Und den Vibra-Alarm, den kenne ich nicht nur, den wünschte ich mir bei allen Mobiltelefonen als einzige Art der Aufmerksamkeitserzeugung...

Ich näherte mich dem Problem der Produktwahl sachte: Vorsichtige Blicke in die Schaufenster der einschlägigen Geschäfte, Schielen auf die Ohren der Sitznachbarn, mal eine Anzeige in einem Magazin. Die technischen Details liess ich mal unbeachtet. Aber das Design half mir auch nicht weiter. Wirklich umwerfend aussehend fand ich keines.

Dann, pragmatische Vorgehensweise: Die eben erschienene Software iSync von Apple hat das Ziel, Adressen und Kalender zwischen Mac, Palm und Mobiltelefon auf Knopfdruck (über Bluetooth!) zu synchronisieren. Datenbanktechnisch wäre das ja sowieso die einzig richtige Lösung. Nun, da wurde es einfach: Momentan unterstützt die Software gerade mal vier Telefone: 1 mal SonyEricsson und 3 mal Ericsson...

Also, Blick in die Online-Auslagen der einschlägigen Geschäfte (sie offline zu betreten wage ich noch immer nicht): Wenn man sich nicht gleich für das halbe Leben an eine Telefongesellschaft binden möchte, dazu mit einem Vertrag für Vieltelefonierer, wirds teuer: 400, 500, 600 Franken. (Gut, vielleicht ist es illusorisch, nur mal ein kleines Abo oder gar eine Prepaid-Karte zu wollen, da man das Telefon sowieso nur ganz selten benutzen möchte...)

Momentan bin ich soweit, auf die neuste technische Entwicklung zu pfeifen, den datenbanktechnischen Supergau hinzunehmen, und ein 200-Franken-Billig-Handy mit Prepaid-Karte zu kaufen. Ich möchte noch nicht daran glauben, dass ich ab demnächst bis an mein Lebensende mit Mobiltelefon herumlaufen werde...

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Warum, weshalb und wie es dazu kam...

Als Kommunikationswissenschafter und Linguist beschäftige ich mich mit den Medien, die uns umschwirren. Die Mobiltelefonie ist ein unbestritten interessantes Phänomen der letzten Jahrzehnte. 1997, als ich mich das erste Mal mit den linguistischen Besonderheiten der Mobilkommunikation beschäftigte, war das wissenschaftliche Interesse noch schmal. Fünf Jahre später gibt es reichhaltige Literatur zum Thema.

Obwohl Selbstinspektion ein riskantes Verfahren der Empirie ist, kann ich den Vorwurf nicht von der Hand weisen, dass ich schon selber Erfahrungen mit einem Mobile sammeln müsse, um dieses Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zu machen. Nun gut, so sei es: Ich kaufe mir eins. Soviel steht am 8. Oktober 2002 fest. Wie es weiter geht, entnehme man dem Tagebuch...