"4. Januar 2006","Rafz?","Von ZŸrich wissen wir es, von Hamburg auch, auch Aarau ist klar, Jonschwil ebenso und von vielen anderen Orten wissen wir, woher diese Namen eigentlich kommen und was sie bedeuten. Bis heute aber unklar: Rafz. Das Dšrfchen im nšrdlichsten Norden des Kantons ZŸrich an der Grenze zu Deutschland will seine namentliche Herkunft nicht verraten, wie in der heutigen NZZ zu lesen ist. Haben die armen Rafzerinnen und Rafzer nun ein IdentitŠtsproblem, weil sie nicht wissen, woher sie kommen? Oder ist das BedŸrfnis nach etymologischer KlŠrung nur die verzweifelte Suche nach den Dingen hinter den Worten, die es sowieso nicht gibt? Der gleiche Artikel zeigt auch, wie wir unser Leben nach Sprache richten, auch wenn sich diese als LŸgen erweisen Ð und man trotzdem froh feiern kann: Eine Urkunde des Klosters Rheinau, in der Rafz und weitere Orte in der Umgebung im Jahr 870 zum ersten Mal erwŠhnt wurden, erweist sich als FŠlschung. Richtig ist, dass die Siedlung zu diesem Zeitpunkt bereits bestanden hatte, doch erfolgte die ErsterwŠhnung spŠter. Aufgrund der falschen Daten hatte der Gemeinderat das 1100- Jahr-JubilŠum im Jahr 1970 mit dazugehšriger Buchpremiere irrtŸmlich zu frŸh angesetzt. Jetzt kann sich Rafz Gedanken machen, wann der korrekte Geburtstag gefeiert werden kšnnte. NZZ vom 4. Januar 2006","nb","08:34" "1. Januar 2006","SchlŸsselkundenbetreuer: Die Semantik von Anglizismen","Vielleicht ein Beispiel fŸr Sprechtakel: Die Anglizismendiskussion. Normalerweise machen sich Leute dafŸr stark, englische Begriffe im Deutschen mšglichst durch "deutsche" Wšrter zu ersetzen. Robert Stark aber findet das Wort "SchlŸsselkundenbetreuer", das er irgendwo las, nun doch gar unverstŠndlich Ð das gemeinte: Key Account Manager sei da wohl besser. Dem stimme ich zu. Und es zeigt eines schšn: Anglizismen sind meistens nicht einfach unnštig, da sie genauso gut durch ein deutsches Wort ersetzt werden kšnnten, sondern bedeuten eben leicht etwas anderes als die vermeintliche †bersetzung. Beim Key Account Manager grŸbeln wir keine Sekunde darŸber nach, ob nun "Key" metaphorisch oder wšrtlich gemeint sei. Anders beim SchlŸsselkundenbetreuer. Anglizismen bieten oft einen semantischen Mehrwert. Wir wollen ja schliesslich doch gerne eine Unterscheidung zwischen "anbandeln" und "flirten" machen, und ein "Ghettoblaster" ist nun mal ein ganz anderes Kaliber als das ordinŠre Kofferradio...","nb","21:17" "1. Januar 2006","Sprechtakel, das","Das Kompositum "Sprechtakel" ist ein Kunstwort der Linguistik, das aus den Gliedern "Sprechen" und "Spektakel" besteht. Dies hier ist die erste bekannte Nennung dieses Fachbegriffs. Definition: Ein Sprechtakel ist eine durch sprachliche Mittel hervorgerufene, von Beobachtern wahrgenommene, gesellschaftliche Wirkung, die durch deren Wahrnehmung damit zum Thema wird. Der Begriff enthŠlt so zwei Aspekte: Er berŸcksichtigt die pragmatische Wirkung von Sprache in der Gesellschaft (mit sprachlichen €usserungen kšnnen wir handeln), sowie die Reflexion der Gesellschaft genau Ÿber dieses PhŠnomen (wir beobachten die pragmatische Wirkung von Sprache in der Gesellschaft). Somit werden die Auswirkungen des Sprechens zu etwas Manifestem, Beobachtbarem, einem Spektakel. Beispiel: Wenn es gelingt, durch den Sprechakt des Definierens von "Sprechtakel" das Sprechen Ÿber Sprechtakel auszulšsen, ist das ein Beispiel fŸr das PhŠnomens des Sprechtakels. Oder ganz einfach: Reden wir darŸber, was wir wie sagen, wird das Gerede zum Sprechtakel.","nb","06:00" "28. Dezember 2005","Ab dem 1. Januar purzeln hier Worte...","...bis dahin bitte noch etwas Geduld. Das Sprechtakel beginnt im neuen Jahr!","nb","16:10"